Band 
Dritter Theil.
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Drittes Kapitel.

Behandlung der deutschen Angelegenheiten im Auge gehabt: einewirksame Unterstützung der Generalstaatcn durch die deutschenevangelischen Fürsten herbeizuführen; dem Hause Oesterreich dieKaiserwürde zu entziehen; und endlich — als das Wichtigste —eine kompakte thatkräftige antihabsburgifche Partei in jenem Landezu bilden und auf das engste mit Frankreich zu verknüpfen.')Die erste Absicht war jetzt durch den spanisch-holländischen Waffen-stillstand auf lange hinaus erledigt. Die Nachfolge im Kaiserthum,welche bei der Kinderlosigkeit und zugleich geistigen Schwäche KaiserRudolph's II. alle Welt beschäftigte, hatte des französischen MonarchenAufmerksamkeit gleichfalls auf sich gezogen, aber immerhin seinInteresse nur mäßig in Anspruch genommen. War doch jenesbereits auf eine so niedrige Stufe der Macht herabgesunken, daßthatsächlich nicht gar viel darauf ankam, wer unter den deutschenFürsten der Inhaber der an Rang ersten Krone der Christenheitsei. Nur Eines war auf alle Fälle zu verhüten: daß ein fremdermächtiger Fürst Kaiser werde und dann seine ererbte Macht benutze,um die getheilten Kräfte Deutschlands gewaltsam zu einen und soden auswärtigen Staaten von neuem furchtbar zu machen. DieseGefahr trat unmittelbar an Heinrich IV. heran, als es hieß, derspanische König wolle sich um die Kaiserwürde bewerben; dadurchwürde das für Frankreich so bedrohliche Weltreich Karl's V. aber-mals erwachsen sein. Für diesen Fall wollte Heinrich ganz ernstlichseine eigene Kandidatur in Deutschland aufstellen. Daß von diesemetwas abenteuerlichen Plane öfters in französischen Regierungskreiscndie Rede war, unterliegt keinem Zweifel; schreibt doch Heinrich selbstam 16 . Juli 1600 an Bongars, seinen Agenten bei den deutschen Pro-testanten: „Ich sehe ein, es ist für mich so wichtig, die Erhebung desspanischen Königs zum Kaiser zu verhindern, daß ich, wenn meineFreunde es für nöthig halten, ich müsse dagegen meinen Namenin das Spiel mengen, es nach ihrem Rathe thun werde." Die große

0 Vgl. Nitter, Geschichte der deutschen Union, I. 272.