Die französische Parier in Europa.
317
Reihe von Gutachten, die Heinrich nm jene Zeit seinen Staats-männern über diesen Gegenstand abforderte, beweist deutlich, daß ersich allerdings eine Weile mit dem Gedanken beschäftigt hat, dieBewerbung Franz' I. um die deutsche Krone, im Gegensatze zu denHabsburger», zu erneuern. Indeß der König hatte vom Beginnan weder ein' rechtes Vertrauen auf die Möglichkeit seiner Wahl,noch konnte, bei dem noch ungeordneten Stande der französischenBerhättnisfe, in ihm der aufrichtige Wunsch nach einer solchen auf-steigen; nur im äußersten Nothfalle wurde er seine Bewerbungangemeldet haben. Auch waren seine einsichtigsten Räthe widereinen solchen Plan. So schon gegen Ende desselben Jahres 1600der Kardinal Ossat; so im Beginne des folgenden ein zweiterfranzösischer Agent in Deutschland, Aneel, der nicht ansteht, Frankreichals sehr unbeliebt im Reiche zu schildern. In der That, außerMoritz von Hessen-Kassel wollte kein deutscher Reichsstand etwas vonder französischen Herrschaft wissen; besonders die knrpfälzischen Rathewaren einstimmig in der Besorgnis; vor Frankreich's Uebermuth undDespotismus. Heinrich überzeugte sich von der Unmöglichkeit,seine Wahl in Deutschland durchzusetzen, und als die Nachrichtvon einer beabsichtigten spanischen Kandidatur sich als irrig erwies,gab er jeden Gedanken an diesen Plan auf. si
Seitdem zeigte der franz. Herrscher für die Deutschland so viel-fach beschäftigende Angelegenheit der Kaiserwahl nur ein beschränktesInteresse. Am liebsten würde er einen protestantischen Fürstenauf den Kaiserthron befördert haben: allein das durfte er bei seinerjetzigen Stellung als gut katholischer Monarch nicht wohl unter-nehmen, auch war dazu gar keine Aussicht, da die drei geistlichenKurfürsten und Böhmen einem solchen Plane unter allen Um-
tz Briefe u. Akte» zur Gefch. des dreißig;. Krieges, herausg. v. LI. Ritter,I. 235 Note 1- 298 ss. 440 i. — Ossat an Villeroy, 15. Nov. 1601; QeNres WOssal;Amstcrdam 1708), IV. 172. — Vgl. Relazion Angela Badoer's v. Z. 1605)Lar. e. Lerek. II., I., 149), der jenem Plane wohl eine zu große Konsistenzzuschreibt.