Der jnlicher Erbfolflestreit.
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diktiren. Die Wirkungen der kaiserlichen Acht erwiesen sich oft genugals furchtbar in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Doch durch die Wiederbelebung des Religionshaders unterRudolf II. fchl alles auseinander. Die Achtung vor dem Willenund Befehl des Kaisers erlosch, da man denselben so ganz parteiischerblickte. Zum ersten Male seit langer Zeit trennte sich im Mai 1608der Reichstag zu Regensburg fruchtlos, und seitdem kam es aufkeiner Reichsversammlung mehr zu einem Beschlusse, da sich dieProtestanten der katholischen Mehrheit nicht fügen wollten. Dersystematischen Feindschaft der Reichsgewalten gegenüber begannenin der That die eifrigen Protestanten sich außerhalb des Reicheszu stellen, und so brachen die erbitterten Kämpfe aus, welche dieFremden nach Deutschland führten und schließlich von dem Reichenichts mehr übrig ließen als den leeren Namen! Nicht sowohlder Reformation, wie dem fanatischen und doch kraftlosen AuftretenRudolfs II. ist der Verfall des Reiches zuzuschreiben.
Unter den Streitpunkten, welche Deutschland im Beginnedes 17. Jahrhunderts theilten, war einer der wichtigsten und auf-regendsten die Frage, wem bei der bevorstehenden Erledigung dieErbschaft von Jülich-Kleve zufallen solle? Ein umfassender Länder-komplex hatte sich durch Verheirathung und Erbschaft am Nieder-rhein und in Westfalen zusammengefunden: die HerzogthümerJülich, Kleve und Berg, die Grafschaften Mark und Ravensbergund die Herrschaft Navenstein an der Maas waren damals unterdem blödsinnigen und kinderlosen Johann Wilhelm vereint. Auf dieseLänder erhoben zahlreiche Fürsten Anspruch, von denen die be-deutendsten Kurbrandcnburg, Pfalz-Neubnrg und Kursachsen waren.Der Kurprinz und seit 1608 Kurfürst Johann Sigismund vonBrandenburg machte sein Recht geltend als Tochtermann der ältestenSchwester Johann Wilhelm's — Maria Eleonore v. Preußen —;der Pfalzgraf Philipp Ludwig v. Nenburg als Gemahl Anna's,der nächstältern Schwester Maria Eleonorens, weil in einerUrkunde Kaiser Karl's V. nur die männlichen Erben der Töchter