Der jülicher Erbfclgestreit.
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lebhaft erfaßte abermals Erzherzog Albeick riefen Gedanken; nichtnur bei dem Papste brachte er denselben wieder vor — zur großenFreude Paul's V. — sondern auch unmittelbar in Paris. - Aberwie irrte sich doch Cardenas, wenn er damals die leitenden fran-zösischen Minister diesem Auswege günstig glaubte! Von krie-gerischer Gesinnung erfüllt, hielten sie denselben vielmehr nur füreinen spanischen Kunstgriff, bestimmt, Frankreich einzuschläfern undZeit zu gewinnen, bis ein für Madrid günstiger Umschwung derVerhältnisse eintrete. So sagte der König selbst dem Nuntius (Juni1609), als dieser ihm von den spanisch-französischen Vermählungensprach: er habe wohl pust zu denselben, müsse aber erst den Aus-gang der jülicher Verhandlungen abwarten — selbstverständlich unr-eine mildere Form der Ablehnung! Andererseits wurde man auchin Madrid bald darüber enttäuscht, daß Heinrich in der jülicherFrage zu einer den habsburgischen Interessen und Wünschen gün-stigern Haltung werde bewogen werden können, und sofort ließmau auch hier die Heirathsprojette fallen, die ja immer nur denaugenblicklichen Zielen spanischer Politik zu dienen bestimmt waren.Der Staatsrath beschloß (Anglist 1609), diese Entwürfe ganz auf-zugeben „wegen der Unziemlichkeit, mit welcher der König vonFrankreich darin gegen Don Pedro de Toledo verfuhr." Demgemäßgab Philipp III- an Cardenas die Weisung: er solle eine Audienzbei Heinrich IV. nur nachsuchen, wenn dieser es verlange oder essonst unumgänglich nothwendig sei; und in Sachen der Heirathen,wenn man ihn auf dieselben brächte, sich nur innerhalb ganz all-gemeiner und unbestimmter Ausdrücke halten. Auch zu der DepescheCardenas' vom 1. September wurde im königlichen Kabinette dieApostille gemacht: daß ohne besondern Befehl des Königs durch-aus nichts über die Heirathsfrage verhandelt werden dürfe.
Diese konnte als beseitigt gelten, als nun plötzlich im No-vember sich Heinrich's vertrauter Minister Villeroh geneigter zeigte,die Vermählung des Don Carlos mit Christine vorzunehmen. DieSchwierigkeit, daß Frankreich für dieses Paar Flandern als eigenes