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Viertes Kapitel.
Am Tage nach der Krönung Marieicks — es war Freitag,den 14. Mai — wünschte Heinrich die Vorbereitungen zn besich-tigen, die für den Einzug seiner Gemahlin in die Hauptstadt dortgetroffen wurden. Um 4 Uhr Nachmittags kam er durch die engeStraße de la Ferronnerie, die noch dazu durch Lastwagen versperrtwar. So wurden die Begleiter des königlichen Wagens gezwungen,eine andere Straße einzuschlagen, und dieser selbst, im Schritte znfahren; der König, der im Grunde des offenen Wagens znr linkenHand saß, neigte sich zu dem neben ihm sitzenden Herzog vonEpernon, um ihm etwas in's Ohr zu sagen. Diesen Augenblickbenutzte ein Mensch von hoher und kräftiger Gestalt, mit tiefrothemHaar und Bart, welcher dem Könige schon seit dessen Abfahrtvom Louvre nachgefolgt war, um auf die Achse des linken Hinter-rades zu steigen und mit großer Schnelligkeit den König zweimalmit einem Messer in die linke Seite zu stoßen. Die Stiche, welcheden linken Lungenlappen und die große Schlagader dicht über demHerzen durchbohrten, hatten den augenblicklichen Tod des Königsznr Folge, der kaum noch auszurufen vermochte: „Es ist nichts!"
Franz Navaillac hieß der Elende, welcher durch die Ermor-dung Heinrich's IV. gerade in dem Augenblicke, wo derselbe zurAusführung längst gehegter Absichten, znr Nullendung seines ganzenpolitischen Werkes ausziehen wollte, der Entwickelung der franzö-sischen Verhältnisse, dem Gange der Wcltereignisse eine veränderteRichtung gab. Man hat vielfach untersucht, ob Navaillac Mit-schuldige gehabt, ob er durch fremde Aufreizung zu seiner Schand-that vermocht worden. Marien von Medici, den Herzog vonEpernon, die Marquise von Verneint, den spanischen Hof hat manda genannt; man hat zum Beweise viele angebliche Winke undWarnungen angeführt, die aber offenbar ebenso erst nach dem Er-eignisse erdichtet worden sind, wie die wunderbaren Vorbedeutungenfür den Tod deS Monarchen. Navaillac selbst hat unter den furcht-barsten Martern stets behauptet, der allein Schuldige zu sein, unddie bestunterrichteten Zeitgenossen schenken ihm vollen Glauben.