Band 
Dritter Theil.
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Später haben zwei nichtswiirdige Personen sich Wichtigkeit und eineStellung durch alberne, in sich ungereimte und offenbar lügnerischeAirklagen verschaffen wollen: eine gemeine Dirne, die d'Eseoman,welche die Marquise von Verneuil, und ein abenteuernder Soldat,Dujardin, welcher 16t 5 Spanien und den Herzog von Epernonder Urheberschaft des an Heinrich IV. vollzogenen Mordes beschul-digten. Beide folgten lediglich ihrer Einbildungskraft.') Vielmehr

') S. die vorzügliche Untersuchung Poirson's (3. Aufl. IV, 180 ss.P welchevon Loiseleur, IdavaMac et ses complices (Paris, 1873) noch weiter aus-geführt und bestätigt wird. In der That konstatirt jede ruhige Prüfung derThatsachen, daß Ravaillac ohne Mitschuldige war, weder mit Spanien noch demHerzoge von Epernon, weder mit Diarien von Medici noch mit der Marquisevon Verneuil etwas zu schaffen hatte. Loiseleur sucht nun allerdings zu erweisen,daß die Spanier und Epernon in Einverständnis) mit der Königin Marie, gleich-zeitig mit Ravaillac, aber unabhängig von diesem, ein zweites Komplott zurErmordung Heinrichs IV. geschmiedet hätten. Allein zunächst stützt sich Loise-lcnr auf völlig irrige Voraussetzungen, wie: 1) die Thatsache, daß Spanienganz umgerüstet gewesen — gerade das Gegentheil ist wahr; 2) die furchtbarenRüstungen Heinrichs und seiner Verbündeten, zu 240,000 Mann und 200 Ka-nonen, während in Wirklichkeit sich die verbündeten Streitkräfte auf wenig mehrals ein Drittheil dieser Zahlen belicfen; 3) die bevorstehende Erhebung des Kur-fürsten von Barern zum Römischen Könige, also den Abfall der katholischenLiga in Deutschland von dem habsburgischcn Hause — ein vollkommenes Mär-chen; 4) vorgebliche Intriguen Maricn's mit Spanien, die nach Sullrps An-gabe der französische Gesandte i» Madrid, Vaucclas, entdeckt habe, während sichsolche Enthüllungen in der vollständig erhaltenen Depeschensammlung Vaucelas'nicht finden (l'errens, S. 266, Note 2); 5) die Bezahlung von Coudö's Fluchtdurch die Spanier, die nie erwiesen worden ist; 6) das Einverständnis; desPapstes mit Heinrich IV., das nichts als eine grobe Lüge Sully's ist. Und nichtminder irrthümlich sind die effektiven Thatsachen, welche dann Loiseleur zur Be-gründung feiner Ansicht aufführt. Zunächst benutzt er den Umstand, daß in denAussagen der Escoman und Dnjardrn's sich Unrichtigkeiten hauptsächlich inBezug auf ihr vorgebliches Verhältniß zu Ravaillac nachweise» lassen, um sonstihre für Epernon und die Verneuil koinpromittirenden Aussagen aufrecht zu er-halten. Aber Dujardin und die Escoman haben nur immer von dem Atten-tate Ravaillac'S gesprochen, und da läuft es doch alle» Gesetzen einer gesundenhistorischen Kritik zuwider, mit Abstrahirung von dieser eigentlichen Richtungaller ihrer Behauptungen ein andcrcs, als solches unerwähntes, Komplott ausihren Aussagen zurechtmachen zu wollen, zumal sie an sich durchaus unglaub-würdige Menschen und in ihrem Zeugnisse selbst eben der frechsten Lügen über-wiesen waren. Es ist unmöglich, auS ihrem wohl überdachten und zusammen-hängenden Lügengewebe willkürlich einige Maschen herauszntrcnncn und diese