Band 
Dritter Theil.
Seite
484
JPEG-Download
 

484

Viertes Kapitel.

war Navaillac nur ein Fanatiker, der, von den königsmörderischenLehren einiger jesuitischen Schriftsteller angesteckt, erfüllt von denfanatischen Predigten, die gerade damals gegen den Kriegszug desKönigs zu Gunsten ketzerischer Fürsten — „wider den Papst", wieman sagte -— vielfach gehalten wurden, den Entschluß gefaßt hatte,die katholische Welt von einem so gefährlichen Herrscher zu befreien.Das war durchaus nichts Ungewöhnliches: Unzählige hatten es schonvor ihm versucht — kam» verging ein Jahr ohne Mordversuch aufHeinrich IV. — und Navaillae hatte zufällig damit Erfolg.

Er glaubte mit seiner That sich hienieden die Zustimmungaller Guten, für das zukünftige Leben das Paradies sicher zu er-werben.

Freilich wurde er in dem erstem Punkte gründlich enttäuscht,und die furchtbaren körperlichen Qualen seiner Hinrichtung wurdennoch heftig gesteigerä durch den allgemeinen Haß und die Er-bitterung, die das pariser Volk gegen ihn äußerte. Den franzö-sischen Hofhistoriographen, wie Matthieu, oder parteiischen Me-moirenschreibern, wie Sullh, würde man darin nicht so sehr Glau-ben zu schenken brauchen. Aber auch der venetianische Gesandtebeschreibt die Wuth des Bockes gegen Ravaillac, den seine Wachennur mit Mühe vor den Händen der Menge, die ihn zerreißenwollte, retten konnte, und dessen zerstückelter Leichnam von dem

ohne weitere Bekräftigung als wahr und zuverlässig zu bezeichnen. Loiscleurglaubt, daß die Verstopfung der Ruc dc la Ferronneric absichtlich geschehen sei,um den König aufzuhalten und von seiner Begleitung zu trennen. Dagegengiebt es nun ein sehr einfaches Argument: niemand wußte im Voraus, wohinder König fahren wollte, und erst inmitten sciues Weges, auf der Croir-du-Tiroir, gab er im Allgemeinen an, daß der Kutscher auf die Kirche des Inno-cents lenken sollte, wohin es noch mancherlei andere Wege gab, als durch dieRuc de la Ferronneric. Als letzten Beweis fuhrt Loiscleur an, daß mehrerePersonen die Zeit von des Königs Tode vorher oder gleichzeitig richtig bezeichnethaben sollen. Solche Propheten finden sich aber immer nachträglich bei jedemgroßen Ereignisse; entweder wollen sie sich wichtig machen, oder sie reden sichselbst ein, Ahnungen empfunden zu haben, oder man legt ihnen betreffende Wortein den Mmid. Auf eine solche Thatsache lassen sich offenbar ernste und be-stimmte Anklagen nicht gründen.