Band 
Dritter Theil.
Seite
485
JPEG-Download
 

Die Ermordung Heinrich s IV.

485

Pöbel geraubt wurde, um in den einzelnen Vierteln von Paris inunzähligen Feuern verbrannt zu werden.") Heinrich lV. war jawährend seines Lebens bei dem Volte nicht sonderlich beliebt ge-wesen (vgl. Th. II, S. 427 tk.); aber nun nach seinem Tode be-griff auch der Blödeste, was das Land an diesem kräftigen, ge-rechten, einsichtsvollen und kühnen Monarchen verloren hatte. Dazukam das Mitleid mit dem jähen Hinscheiden desselben inmitten derweitestreichenden Entwürfe; der Unwille über die Mordthat, dieBesorgniß vor der so nnsichern Zukunft und endlich der Umstand,daß der Krieg gegen die Spanier, vor dessen Beginn man so dichtgestanden hatte, bei der Masse des französischen Volkes äußerstpopulär war. Das tragische Ende Heinrich's hat gewissermaßendas Signal gegeben zu dem Wetteifer, mit welchem Geschicht-schreibung und volksthümliche Sage ihn verherrlicht haben. —

Sehr bezeichnend ist die Weise, in welcher die fremden Höfedie Nachricht von dem Ereignisse des 14. Mai aufnahmen; siezeigt uns deutlich ihre wahren Gesinnungen dem Werke gegenüber,das der König iir seinem letzten Lebensjahre übernommen hatte.

Die Protestanten wurden von der Kunde natürlich wie voneinem Donnerschlage betroffen, zumal man die hispanisirenden Nei-gungen der Regentin wohl kannte. Selbst in England, wo sichstets Neid gegen Heinrich's Ansehen, Einfluß und überlegene Größegezeigt hatte, war nicht nur das Volk, sondern auch die offizielleWelt über sein Hinscheiden so bestürzt und bekümmert, als hätteman einen eigenen verehrten und geliebten Herrscher verloren. Alanerkannte wohl, daß Heinrich von Frankreich der unermüdliche, un-erschrockene und gewandte Vorkämpfer der antispanischen, also auchder protestantischen Sache gewesen war; man fürchtete, nun Frank-reich mit vollen Segeln in das spanische Fahrwasser einlaufen, diebeiden großen katholischen Mächte vereint zum Kampfe gegen dieprotestantische Welt ausziehen zu sehen. „Die traurigen und be-

>) Dep. Foscarim ö v. I. Juni, p. 335 k.