Band 
Dritter Theil.
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Beilage

Einige Bemerkungen über Sully's Memoiren.

Der große Reichthum an Memoiren, an Aufzeichnungen hervorragenderTheilnchmer oder auch aufmerksamer Beobachter der politischen und literarischenEreignisse ist stets als ei» Vorzug der französischen Historik gepriesen worden.Indeß möchte es die Frage sein, ob diese Mcmoircnlitcratur die GeschichteFrankreich's mehr aufgeklärt oder mehr verwirrt und verdunkelt hat. Je um-fassender man die in den Memoiren gebrachten Angaben an der Hand unwider-leglicher Aktenstücke kontrolirt, desto überraschender stellt sich meist ihre Iln-zuverlässigkeit heraus. Die Memoiren haben für alle Zeiträume der neuerenfranzösischen Geschichte eine Fülle falscher Daten und Anschauungen verbreitet;aber geradezu vcrhängnißvoll sind für die Geschichte Heinrich's IV. die Me-moiren Sully's, die Ooconnmies ck'Uütat geworden. Es ist natürlich, daß die-selben bei der Stellung ihres Verfassers allseitigen Glauben fanden, so langees kein Mittel gab, dieselben zu kontroliren; bezeichnend aber ist es für diegedankcn- und kritiklose Routine, in der sich leider noch immer ein großer Theilder französischen Geschichtschreiber ergeht, daß keiner der unzähligen Autoren,welche das Leben Heinrich's IV. und Sully's dargestellt habe», auch nur ver-suchten, die Oecnnomie» ck'Lsiat mit den diplomatischen Aktenstücken zu ver-gleichen, von denen eine so große Fülle ihnen unmittelbar in den Archiven undder großen Bibliothek in Paris zur Hand war.

Ich durfte dagegen die Darstellung Sully's von den Thatsachen der Jahre>609 und I6IO gar nicht benutzen. Denn je tiefer ich in die Geschichte derganzen von Sully behandelten Zeit cindrang, um so deutlicher hat sich mir dievöllige Unzuverläfsigkcit desselben herausgestellt. An fast allen Orten, wo sichseine Angaben mit Hülfe authentischen Materials prüfen lassen, stellt sich ibrebisweilen unabsichtliche, meist aber absichtliche Unwahrheit heraus. Danach istauch auf diejenigen Punkte, welche wir einer solchen Prüfung nicht unterziehentonnen, kein Verlaß, da kein Grund vorliegt, sie für wahrhafter und aufrichtigerzu halten, als das Ucbrige: also auch diejenigen Theile von Snllv's Bericht,die uns Neues, sonst Unbekanntes liefern würden, müssen durchaus bei Seitegelassen werden. Und nun vollends in Bezug auf die Ereignisse der Jahre