Band 
Dritter Theil.
Seite
494
JPEG-Download
 

494

Beilage.

160!) und 1610 widerspricht Sully'S Darstellung allen Aktenstücken so nn-bedingt, daß man nur zu wähle» hat zwischen beiden — und da kann fürjeden Besonnenen die Wahl nicht schwer werden.

Es war ursprünglich meine Absicht, in einem ausführlichen Exkurse aufdas Wesen, die Entstehungsart, den Zweck, die Abfassnngszeit der Oeconnmie»>I'bXtat näher einzugehen. Inzwischen hat dies M. Ritter in seiner schon er-wähnten Abhandlung „Die Memoiren Sullv's und der große Plan Heinrich's I V."jAbh. der Baier. Akad. d. Wiss. III. Cl., XI. Bd., III.Abth.) so gründlich gethan,daß ich mir nur einige Zusätze und Bemerkungen erlauben werde.

Pros. Ritter hat hauptsächlich die Unwahrheit der auf den „großen Plan"bezüglichen Erzählungen, die Erdichtung aller denselben betreffender Aktenstücke— und es sind ihrer sehr viele — hervorgehoben und betont, obwohl er aucheine Anzahl anderer erwähnt (a. a. O. Scparatabdruck S. 29 kk.). Ich möchtehier noch eine Reihe weiterer Fälschungen anführen, um die gänzliche Unzu-vcrlässigkcit der Oeconomies ck'bXtat, ihre völlige Unbrauchbarkeit als historischeQuelle darzuthun; dies wird auch dazu dienen, die wahre Absicht von Sully'Sganzem Werke deutlicher festzustellen.

Die unschuldigere Art des Betruges, wenn man sich so ausdrücken darf,besteht noch in theils ganz ersonnenen, theils verfälschten Berichten. EinigeBeispiele aus allen Zeiten von Sully'S Thätigkeit werden genügen.

Bei den Kämpfen des Königs von Navarra zuerst mit Heinrich III. unddann mit der Liga will Sully überall zugegen gewesen sein, und doch läßt ersich die gröbsten Irrthümer zu Schulden kommen. So will er dem Erfechtebei Eause 1576 beigewohnt haben, und doch erzählt er es so durchaus falschlob. 9, x>. 23 k. ecl. ltlielmuck el Unus.), daß er in demselben keinesfalls zu-gegen gewesen sein kaun. 1585 berichtet er den Anschlag Cvude's auf Angerssehr ungenau und mit vielen Verwechslungen (ob. XIX, y. 47 k., vgl. ck'b»nI. 82 u. Xukixnd, Ilistoire 1,'niverseIIe, I. V. cl>. II, t. II. seck. dlaille I6l8s,p. 440 ll.). Die Absicht, sich allerorten zu verherrlichen, tritt nun deutlicherin folgender Erzählung hervor.

Im Beginne dcö Jahres 1589 — so berichtet Sully cb. XXVI. 67 —kam Sullu durch Blois, wo damals der König Heinrich III. sich befand. Alsderselbe von seiner Anwesenheit hörte, ließ er ihn rufen und schlug ihm einenModus der Versöhnung zwischen ihm — dem Könige — und Heinrich vonNavarra vor; aber alles wurde mündlich abgemacht und so giebt es, leider!kein Aktenstück über diese Verhandlung. Sully ging dann nach dem WunscheHeinrich's III. schleunigst zu dem Könige von Navarra, der sich beeilte, denFrieden ganz nach den Vorschlägen Sullrps abzuschließen. — Ganz anders stelltsich die Sache nach den Berichten Thou's nnd Du Plessis-Mornay's. Der erstereerzählt sl. 95 Z, daß Heinrich III., von vielen zur Versöhnung mit dem Bearnerermähnt, zuerst durch Diana von Angoulesme mit demselben verhandelte. Dannwurde Du Plessis auf daS heimlichste von Heinrich von Navarra an den König

') Tyou war selbst bei diesen Unterhandlungen betheiligt (.Vl^-inoires ilo l'Uou, od

1'ou^. I. Xl. um so zuverlässiger ist sein Bericht.