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Erstes Buch. Erster Abschnitt.
dem Nichts entstehen könnten, diese Entstehungsweise ihrer Naturnach gar keine Schranke hätte, und Alles müsste aus Allem hervor-gehen können. Es müssten dann Menschen aus dem Meer und Fischeaus der Erde auftauchen können; kein Thier, keine Pflanze würdesich in der Bestimmtheit der Gattung forterhalten.
Dieser Betrachtung liegt der ganz richtige Gedanke zu Grunde,dass beim Entstehen aus dem Nichts kein bestimmter Grund mehrgedacht werden kann, warum etwas nicht entstehen sollte, und dassdaher eine solche Weltordnung ein beständiges buntes und sinnlosesSpiel des Werdens und Vergehens fratzenhafter Ausgeburten werdenmüsste. Umgekehrt wird dann eben aus der Regelmässigkeit der Natur,die im Frühling Rosen, im Sommer Getreide, im Herbst die Traubendarbietet, darauf geschlossen, dass durch ein zu bestimmter Zeit erfol-gendes Zusammenströmen der Samen der Dinge die Schöpfung sich voll-ziehe. Es ist daher anzunehmen, dass es gewisse, vielen Dingen gemein-same Stoffe gebe, wie die Buchstaben den Worten gemeinsam sind.
In ähnlicher Weise wird gezeigt, dass auch nichts wirklich unter-geht, sondern dass nur die Tlieile der vergehenden Dinge sich zer-streuen, wie sich die Tlieile sammeln, wo etwas entsteht.
Dem nahe liegenden Eiuwurf, dass man aber die Theilchen, welchesich sammeln oder zerstreuen, nicht sehen könne, begegnet Lucrezmit der Schilderung eines gewaltigen Windsturmes. Zur grösserenKlarheit wird das Bild eines reissenden Waldstroms daneben gestelltund gezeigt, wie sich die unsichtbaren Theilchen des Windes genauso äussern, wie die sichtbaren des Wassers. Wärme, Kälte, Schallwerden in gleicher Weise als Zeugnisse für das Dasein einer unsicht-baren Materie angeführt. Noch feinere Beobachtung spricht sich infolgenden Beispielen aus: Gewänder, welche man am brandenden Ge-stade ausbreitet, werden feucht; bringt man sie in die Sonne, sowerden sie trocken, ohne dass man die Wassertheilchen kommen undentfliehen sieht. Sie müssen also so klein sein, dass man sie nichtsehen kann. Ein Ring, den man Jahre lang am Finger trägt, wirddünner; der Fall des Tropfens höhlt den Stein; die Pflugschar nütztsich im Acker ab; das Strassenpflaster wird von den Füssen aus-getreten: welche Theilchen aber in jedem Augenblick verschwinden,hat uns die Natur nicht zu sehen vergönnt. Ebenso kann auch keineSehkraft der Augen die Theilchen entdecken, die bei allem UebrigenWerden und Vergehen hinzu kommen und schwinden. Also wirktdie Natur durch unsichtbare Körperchen (die Atome).