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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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93
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Die Uebergangszeit.

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Wesen der Dinge einzulassen, so muss man auch erkennen, dassalsdann der Unterschied zwischen Substanz und Accidens ebenfallsschwindet. Zwar hat ein Ding gewisse Eigenschaften, die in einemdauerhafteren Zusammenhang stehen als andere; allein absolut dauer-haft ist ja keine, und im Grunde sind alle in beständigem Wechsel.Fasst man nun einmal die Substanz als Einzelwesen, nicht als Gattungoder als ein allgemeines stoffliches Substrat, so muss man, um dessenForm ganz zu bestimmen, auch seine Betrachtung auf einen ge-wissen Zeitabschnitt beschränken, und innerhalb dessen alleEigenschaften in ihrer Durchdringung als die substantielle Form unddiese als das einzige Wesen des Dinges betrachten.

Spricht man dagegen mit Aristoteles von dem Begrifflichen (to tirjv eivai) in den Dingen als ihrer wahren Substanz, so befindet mansich bereits auf dem Boden der Abstraction, denn es ist im Grundelogisch in gleicher Weise zu abstrahiren, ob man nun aus der Kennt-niss von einem Dutzend Katzen den Artbegriff entnimmt, oder obman seine eigene Hauskatze durch alle ihre Lebensstufen, Wandlungenund Stellungen hindurch, als ein und dasselbe Wesen betrachtet. Nurauf dem Gebiete der Abstraction hat der Gegensatz von Substanzund Accidens seine Bedeutung. Zu unserer Orientirung und für diepraktische Behandlung der Dinge wird man die von Aristoteles mitmeisterhafter Schärfe ausgeprägten Gegensätze des Möglichen undWirklichen, der Form und des Stoffes, der Substanz und des Acci-dens wohl niemals entbehren können. Ebenso sicher ist aber, dassman in der positiven Forschung von diesen Begriffen immer irregeführt wird, und dass sie daher auch nicht dienen können, unserenBlick in das objective Wesen der Dinge zu erweitern.

Der Standpunkt des gewöhnlichen empirischen Denkens, beiwelchem der Materialismus heutzutage gewöhnlich stehen bleibt, istvon diesen Fehlern des aristotelischen Systems keineswegs frei, daer den falschen Gegensatz in umgekehrter Form wo möglich nochfester und eingewurzelter festhält. Man schreibt dem Stoff, der Ma-terie, die doch jedenfalls auch nur einen durch Abstraction gewonnenenBegriff vorstellt, das wahre Wesen zu; man ist geneigt, den Stuft’der Dinge' für ihre Substanz und die Form für ein blosses Accidenszu halten. Der Block, aus dem eine Statue werden soll, gilt jedemals wirklich; die Form, welche er erhalten soll, als bloss möglich.Und doch ist hier leicht zu sehen, dass dies nur wahr ist, insofernder Block eine Form hat,-die ich nicht weiter beachte, nämlich