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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die Uobcrgangszeit.

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und Gruudirrtlülmer der überlieferten Philosophie verkörpert waren,/Ai zertrümmern. Dennoch leisteten auch die Bande der Scholastikfür ihre Zeit der geistigen Entwickelung der Menschheit einen wich-tigen Dienst. Wie das Theologenlatein jener Zeit, so bildeten auchdie Formeln der Scholastik ein gemeinsames Element geistigen Ver-kehrs für ganz Europa. Von der formalen Denkübung abgesehen,die auch in der entartetsten Form der aristotelischen Philosophie nochhöchst bedeutend und wirksam blieb, war dieselbe Gemeinsamkeit,welche das alte System geschaffen hatte, bald auch ein vorzüg-liches Medium für die Verbreitung neuer Gedanken. Die Zeit desWiederauflebens der Wissenschaften fand eine Verbindung unter denGelehrten Europas vor, wie sie seitdem nie wieder dagewesen ist.Der Ruf einer Entdeckung, eines bedeutenden Buches, eines litera-rischen Streites verbreitete sich, wo nicht schneller, so doch all-gemeiner und gründlicher als in unserer Zeit durch alle gebildetenLänder.

Rechnet man den ganzen Verlauf der Regcnerationsbewegung,deren Anfang und Ende schwer zu bestimmen ist, von der Mitte desfünfzehnten bis auf die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, so lassensich in diesem Zeitraum von zweihundert Jahren vier Epochen unter-scheiden, die zwar nicht bestimmt gegen einander abgegreuzt, wohlaber in ihren Grundzügen merklich von einander verschieden sind.Die erste derselben vereinigt das Hauptinteresse Europas in der Phi-lologie. Es war die Zeit eines Laurentius Valla, eines AngelusPolitianus und des grossen Erasmus, der den Uebergang zur theolo-gischen Epoche bildet. Die Herrschaft der Theologie wird durchdie Stürme der Reformationszeit hinlänglich bezeichnet, sie unter-drückte eine Zeit lang fast jedes andere wissenschaftliche Interesse,namentlich in Deutschland. Dann erst traten die Naturwissen-schaften, die seit dem Beginn der Regenerationszeit in den stillenWerkstätten der Forscher erstarkt waren, in dem glänzenden Zeit-alter eines Kepler und Galilei beherrschend in den Vordergrund; invierter Linie erst folgte die Philsophie, wenn auch der Culmina-tionspunkt der grundlegenden Thätigkeit eines Baco und Descartesnicht viel später fällt, als die grossen Entdeckungen Keplers. Allediese Epochen schöpferischer Arbeit waren noch in frischer Nach-wirkung auf die Zeitgenossen, als die materialistische Natur-philosophie um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts durchGassendi und Ilobbes wieder systematisch ausgebildet wurde.