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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die Uebergangszeit.

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nungen der Natur den Massstab der Zahl und der geometrischenFigur anlegte. Es verdient Beachtung, dass man noch im Anfängedes achtzehnten Jahrhunderts die Materialisten, bevor diese letztereBezeichnung allgemeiner geworden war, nicht selten als „mechanici“bezeiclmete, d. h. als Leute, die von einer mechanischen Natur-betrachtung ausgingen. Diese mechanische Naturbetrachtung, welcherschon damals, namentlich auf medicinischem Gebiet, die chemischeoder alchimistische gegenüberstand, dauerte bis in die letzte Hälftedes achtzehnten Jahrhunderts. Sie wurde vorübergehend verdrängtvon dem Gebiete der Philosophie durch Kant, von dem der empiri-schen Wissenschaften hauptsächlich durch die Fortschritte der Chemienach Stahl und Lavoisier. Ausgegangen war sie aber von Descartes,befördert von Spinoza und nicht minder von Leibnitz, dem Erfinderder Differentialrechnung, der sich ja auch bis zu seinem Tode mitdem Plane trug, die Logik in mathematische Formen zu bringen.

Knüpft somit in der Hauptsache der Materialismus an Baco an,so war es doch Descartes, der dieser ganzen Betrachtungsweiseder Dinge schliesslich jenen Stempel des Mechanismus aufdrückte,der in De la Mettrie’s l’homme machine am vollständigsten hervor-tritt. Auf Descartes war es zurückzuführen, wenn man alle Func-tionen des geistigen wie des physischen Lebens schliesslich als dasProduct mechanischer Vorgänge betrachtete, obwohl dieser es nur inder Physik und Physiologie so gehalten hatte.

Zu einer Naturwissenschaft überhaupt hatte sich Descartes mitder leichtfertigen Folgerung verholfen, dass wir zwar an der Wirk-lichkeit der Dinge ausser uns zweifeln müssten, dass wir jedochschliessen könnten, dass dieselben wirklich da seien, weil sonstGott ein Betrüger sein müsse, da er uns die Vorstellungen vonder Aussenwelt gegeben habe.

Mit diesem salto mortale ist nun Descartes auf einmal mittenin der Natur, auf einem Felde, das er mit grösserem Erfolge be-arbeitete, als die Metaphysik. Was die allgemeine Grundlage derLehre von der äusseren Natur betrifft, so war Descartes demstrengen Atomismus nicht zugethan; er leugnete die Denkbarkeit derAtome. Selbst wenn es kleinste Theilchen gebe, die auf keine Weisemehr könnten getrennt werden, so müsste doch Gott sie noch tlieilenkönnen, denn ihre Theilbarkeit sei immer noch denkbar. Allein mitdieser Leugnung der Atome war er doch sehr weit entfernt davon,den aristotelischen Weg einzuschlagen oder etwa im Sinne unserer

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