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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.

stummen, und da er besonders begeistert ist für die kürzlich erfundeneMethode Ammans, die Taubstummen besonders zu unterrichten, sowünscht er sich einen grossen und besonders geistreichen Affen, uman demselben seine Versuche zu machen.

Was war der Mensch, fragt De la Mettrie, vor der Erfindung derWorte und der Kenntniss der Sprache? Ein Thier seiner Art, mitweit weniger Instinkt als die andern (?) und unterschieden durchnichts als seine Physiognomie und Leibnitzens intuitive Kenntnisse.Die ausgezeichnetsten, besser organisirten erfanden die Zeichen undlehrten die Andern, gerade wie wenn wir Thiere dressiren.

Wie eine Violinsaite, auf der das Anschlägen eines Claviers einSchwirren und einen Ton hervorbringt, so brachten die Saiten ihresGehirns, getroffen von Schallempfindungen, Worte hervor. Sobaldaber die Zeichen verschiedener Dinge gegeben sind, be-ginnt das Gehirn mit derselben Nothwendigkeit sie zuvergleichen und ihre Beziehungen zu beachten, wie daswohl organisirte Auge sehen muss. Die Aehnlichkeit ver-schiedener Objecte führt ihre Zusammenfassung herbei und dadurchdas Zählen. Alle unsre Ideen sind fest verbunden mit der Vorstellungder entsprechenden Worte oder Zeichen. Alles was in der Seele vor-geht, lässt sich auf Thätigkeit der Einbildungskraft zurückführen.

Wer die meiste Einbildungskraft hat, muss daher als der grössteGeist betrachtet werden. Ob die Natur mehr angewandt hat, einenNewton zu bilden oder einen Corneille, einen Aristoteles oder einenSophocles, ist nicht zu entscheiden, wohl aber kann man sagen, dassbeide Arten von Talent nur verschiedene Richtungen in der Anwendungder Einbildungskraft bezeichnen. Sagt man daher, dass Jemand vieleEinbildungskraft aber wenig Urtheil hat, so sagt man damit nur, dassseine Einbildungskraft einseitig auf Reproduction der Empfindungstatt auf Vergleichung derselben gerichtet ist.

Das erste Verdienst des Menschen ist seine Organisation. Esist daher unnatürlich einen gemässigten Stolz auf wirkliche Vorzügezu unterdrücken, und alle Vorzüge, woher sie auch entstehen, sindwerth, dass man sie achte; man muss sie nur richtig zu schätzenwissen. Geist, Schönheit, Reichthum, Adel, obwohl Kinder des Zufalls,haben ihren Werth so gut als Geschicklichkeit, Wissen und Tugend.

Wenn man sagt, dass der Mensch sich vor den Thieren aus-zeichne durch ein natürliches Gesetz, welches ihn Gutes und Bösesunterscheiden lehre, so ist auch das eine Täuschung. Das nämliche