Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.
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schiedenen Temperamente, auf physischen Ursachen beruhend, bestimmenden Charakter des Menschen. In den Krankheiten verdunkelt sieltbald die Seele, bald sollte man sagen, dass sie sich verdopple; baldzerstreut sie sich in Blödsinn. Die Genesung eines Narren machteinen Menschen von Verstand. Das grösste Genie wird oft dumm,und hin sind alle die schönen Kenntnisse, die mit so grosser Müheerworben waren. Der eine Kranke fragt, ob sein Bein im Bette ist,ein anderer glaubt den Arm noch zu haben, den man ihm abgeschnittenhat. Der eine weint wie ein Kind bei der Annäherung des Todes,der andre scherzt über ihn. Was hätte es bei Cajus Julius, bei Se-neca, bei Petronius bedurft, um ihre Furchtlosigkeit in Kleinmüthigkeitoder Prahlerei zu verwandeln? Eine Obstruction in der Milz, derLeber, oder der Pfortader. Denn die Einbildungskraft hängt mitdiesen Eingeweiden zusammen und aus ihnen entstehen alle die son-derbaren Erscheinungen der Hypochondrie und der Hysterie. Wassoll man von denen sagen, die in Werwölfe und in Vampire verwan-delt zu sein glauben, oder die ihre Nasen und andre Glieder fürgläsern halten? De la Mettrie geht sodann auf die Wirkungen desSchlafes über; Opium, Wein und Kaffee werden in ihren Wirkungenauf die Seele beschrieben. Ein Heer, dem man starke Getränke giebt,schlägt den Feind, vor dem es nach Wassergenuss geflohen wäre;eine gute Mahlzeit übt eine erheiternde Wirkung.
Die englische Nation, welche das Fleisch halb roh und blutigisst, scheint ihre Wildheit von solchen Nahrungsmitteln zu haben,denen allein die Erziehung entgegen wirken kann. Diese Wildheiterzeugt in der Seele Stolz, Hass, Verachtung andrer Nationen, Un-gelehrigkeit und andere Charakterfehler, wie eine grobe Nahrung denGeist träg und schwerfällig macht. — Hunger und Enthaltsamkeit,Klima u. s. w. werden in ihrem Einflüsse verfolgt. Die Physiognomieund die vergleichende Anatomie geben ihren Beitrag. Wenn mannicht für alle Geisteskrankheiten Entartung des Gehirnes findet, sosind es Zustände der Dichtigkeit oder andere Veränderungen in denkleinsten Theilen, welche die Störung veranlassen. „Ein Nichts, einekleine Fiber, irgend Etwas, das die subtilste Anatomie nicht entdeckenkann, hätte aus Erasmus und Fontenelle zwei Thoren gemacht.“
Eine besondere Idee De la Mettrie’s ist noch die, dass es viel-leicht einmal gelingen dürfte, einen Affen zum Sprechen zu bringen,und auf diese Art einen Theil der Thierwelt in die menschliche Bil-dung mit hineinzuziehen. Er vergleicht den Affen mit einem Taub-