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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.

sieh nur unter verschiedenen Umständen. Auch die dauerhaftestenKörper sind beständigen Veränderungen unterworfen. Die Materieund die Bewegung ist ewig, und die Schöpfung aus Nichts ist einleeres Wort. Zu dem Ursprung der Dinge zurückgehen wollen, heisstnur die Schwierigkeiten hinausschieben und sie der Prüfung unsrerSinne entziehen. — Der schwächste Punkt in diesem Kapitel ist dieLehre von der Gravitation, llolbach führt sie zwar auf den allge-meinen Begriff aller Bewegung zurück; allein indem er jede mystischeErklärung bekämpft, hat er doch für die zu Grunde liegende Attractionnur die mystische Erklärung des Empedokles. In der That war dieAnschauung Epikurs von der ursprünglich gradlinigen Bewegung derAtome, die allmälilig mit einander in Verwickelung gerathen und nurdurch den Stoss die mannigfachsten Bewegungsformen erzeugen,durch die Naturwissenschaften gründlich beseitigt. Seitdem ist es aberauch nicht mehr gelungen, ein anschauliches Princip der Bewegungaufzustellen, welches alle Erscheinungen umfasste.

Was die Materie betrifft, so ist llolbach kein strenger Atomist.Er nimmt zwar elementare Tlieilchen an, erklärt jedocli das Wesender Stoffe für unbekannt. Wir kennen nur einige ihrer Eigenschaften.Alle Modificationen der Materie sind Folge von Bewegung; diese ver-wandelt die Gestalt der Dinge, löst ihre Bestandtheile auf und nöthigtdieselben zur Entstehung oder Erhaltung von Wesen ganz andererArt beizutragen.

Zwischen den sogenannten drei lieichen der Natur findet ein be-ständiger Austausch und Kreislauf der Tlioilo der Materie ßtntt. DasThier erwirbt neue Kräfte durch Verzehrung von Pflanzen oder an-dern Thieren; Luft, Wasser, Erde und Feuer dienen zu seiner Er-haltung. Dieselben Elemente aber unter andern Formen der Verbindungwerden die Ursache seiner Auflösung, und alsdann werden dieselbenBestandtheile in neue Bildungen verarbeitet oder wirken zu neuenZerstörungen.

„Das ist der unwandelbare Gang der Natur; das ist der ewfgeKreislauf, den Alles beschreiben muss, was existirt. In dieser Weiselässt die Bewegung die Tlieile des Universums entstehen, erhält sieeine Weile und zerstört sie allmälilig, die einen durch die andern;während die Summe des Vorhandenen immer dieselbe bleibt. DieNatur erzeugt durch ihre verbindende Thätigkeit die Sonnen, welchein den Mittelpunkt eben so vieler Systeme treten; sie erzeugt diePlaneten, die durch ihr eigenes Wesen gravitiren und ihre Bahnen