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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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I)or Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.

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Möglichkeiten, die nicht nur nicht erwiesen sind, sondern auch ihrerNatur nach gar nicht erwiesen werden können. Es sei besser undsicherer, sich an die strenge Erkenntniss zu halten, deren Gesetze manbegreifen und einsehen könne. — Elf Jahre, nachdem das Systemder Natur erschien, noch bei Lebzeiten Holbachs, unternahm es einkühner Denker, wenigstens einen Theil jener Möglichkeiten zur Gewiss-heit zu erheben, und zu zeigen, wie die Anschauungen von Raum undZeit, die tiefsten Grundlagen aller Naturwissenschaft, sammt allenKategorieen des Verstandes nur Geltung haben innerhalb der Weltunserer Erfahrung, jenseit welcher die schrankenlose, unserer Forschungunzugängliche Welt der Dinge an sich zu suchen sei.

So breit und wiederholungsreich auch das System der Naturgeschrieben ist, so enthält es doch manche Ausführungen, die theilsihrer Energie und Gesundheit wegen bemerkenswerth, theils aberauch besonders geeignet sind, uns die engen Grenzen, in welchendie materialistische Weltanschauung sich bewegt, in ein helles Lichtzu setzen.

Während De la Mettrie eine boshafte Freude daran hatte, sichfür einen Cartesianer auszugeben, und, vielleicht in gutem Glauben,die Behauptung aufzustellen, Descartes habe den Menschen mechanischerklärt und ihm nur der Pfaffen wegen eine überflüssige Seele ange-liängt, schiebt Holbach umgekehrt die Verantwortung für das Dogmavon der Spiritualität der Seele hauptsächlich auf Descartes. „Ob-gleich man sich schon vor ihm die Seele spiritualistisch vorstellte,so ist er doch der erste, der den Satz aufgestellt hat, dass dasDenkende von der Materie verschieden sein muss, worauser denn ferner schliesst, dass das Denkende in uns ein Geist sei,d. li. eine einfache und nutheilbare Substanz. Wäre -es nicht natür-licher gewesen zu scldiessen: weil der Mensch, ein stoffliches Wesen,thatsächlich denkt, geniesst also auch die Materie die Fähigkeit zudenken?“ Nicht besser kommt Leibnitz weg mit seiner prästabilirtenHarmonie oder gar Mailebranche, der Erfinder des Occasionalisnnis.Holbach nimmt sich nicht die Mühe, diese Männer eingehend zu wider-legen; er kommt nur immer wieder auf die Abgeschmacktheit ihrerersten Grundsätze zurück. Von seinem Standpunkte aus nicht ganzmit Unrecht; denn wenn man das Ringen dieser Männer nach einerGestaltung der in ihnen lebenden Idee nicht zu schätzen weiss, wennman ihre Systeme rein verstandesmässig prüft, so kann allerdingskaum ein Ausdruck der Geringschätzung stark genug sein, um die