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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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209
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Der Materialismus des achtzehnten Jahrhunderts.

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Stelle die Bemerkung, man sage zwar immer, dass uns unsere Sinnenur die Schale der Dinge zeigten; was aber Gott betreffe, so zeigtensie uns nicht einmal .die Schale. Besonders treffend ist aber folgendeBemerkung:

„Dr. Clarke sagt uns, es sei genug, dass die Attribute Gottesmöglich seien, und so, dass man das Gegentheil nicht beweisen kann.Sonderbare Logik! Die Theologie wäre also die einzige Wissenschaft,in welcher man schliessen kann, dass ein Ding wirklich ist, weil esmöglich ist?“

Hätte Holbach hier nicht das Bedenken einfallen können, wiees doch möglich sei, dass Leute von leidlich gesundem Gehirn, diesich auch nicht eben durch Schlechtigkeit auszeichnen, sich mit sovollständig in die Luft gebauten Sätzen begnügen können ? Hätteihn dies nicht darauf führen können, dass die Selbsttäuschung desMenschen in religiösen Sätzen doch anderer Natur ist, als die all-tägliche Selbsttäuschung? In der äusseren Natur sah Holbach nichteinmal die Schale eines Gottes. Wenn nun aber diese bodenlosenBeweise gerade eine gebrechliche Schale wären, unter der sich einetiefere Begründung der Gottesidee auf die Eigenschaften des mensch-lichen Gemüthes birgt? Doch dazu hätte denn gleichzeitig eine ge-rechtere Beurtheilung der Keligion in Beziehung auf ihren moralischenund culturhistorischen Werth gehört; und das vor allen Dingen warvon dem Boden, aus welchem das System der Natur erwuchs, nichtzu erwarten.

Wie schroff der Standpunkt ist, den das System der Natur derGottesidee gegenüber einnimmt, zeigt am besten das Capitel (IV. im2. Th.), welches den Pantheismus behandelt. Wenn man bedenkt,dass lange Zeit Spinozist und Materialist als dasselbe galt, und dassman unter der Bezeichnung des Naturalismus beide Richtungen häufigzusammenfasste, ja, dass man sogar bei Männern, die als Stimmführerdes Materialismus gezählt werden, oft ganz pantheistische Wendungenfindet, so kann man sich über den Eifer verwundern, den Holbach ent-wickelt, um auch den blossen Namen eines Gottes, wenn man ihn selbstmit der Natur identisch setzt, gänzlich aus dem Bereich menschlichenDenkens zu verbannen. Und doch geht Holbach, wenn man sich aufseinen Standpunkt versetzt, hierin keineswegs zu weit. Ist es dochgrade der mystische Zug im Wesen des Menschen, den er als krankhaftansieht, und dem er die grössten Uebel zuschreibt, welche die Mensch-heit niederdriicken! Und in der That, sobald ein Gottesbegriff, wieLange, Geseh. d. Mat. 14