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Erstes Buch. Vierter Abschnitt.
Sieht man freilich genauer zu, so bemerkt man leicht, dass es hier,wie bei Epikur, wesentlich praktische Gesichtspunkte sind, welche ihnleiten. Indem er die Religion für den Hauptquell aller menschlichenVerderbtheit ansieht, sucht er diesem krankhaften Hang der Mensch-heit auch die letzten Grundlagen zu entziehen und verfolgt daher diedeistischen und pantheistischen Vorstellungen von Gott, welche seinZeitalter doch so sehr liebte, mit nicht geringerem Eifer als die Ideender Kirche. Dieser Umstand ist es ohne Zweifel, welcher dem Systemder Natur auch unter den Freigeistern so heftige Feinde machte.
Zugleich sind nun aber auch die gegen das Dasein Gottes ge-richteten Kapitel grössteutheils überaus langweilig. Die logischenGebilde, welche Beweise für das Dasein Gottes darstelleu sollen, sinddurchweg so haltlos und nebelhaft, dass es sich bei der Annahmeoder Verwerfung derselben nur um eine grossere oder geringere Neigungzur Selbsttäuschung handeln kann. Wer sich au solche Beweise hält,giebt damit nur seiner Neigung einen Gott anzunehmen, einen scho-lastischen Ausdruck. Diese Neigung selbst war, längst bevor Kantdiesen Weg einschlug, um die Gottesidee zu begründen, stets nurein Ausfluss der praktischen Geistesthätigkeit oder des Gemiithslebens;nicht aber der theoretischen Philosophie. Der scholastische Hangzu nutzlosem Disputiren kann freilich Befriedigung finden, wenn umSätze gestritten wird, wie: „Das durch sich selbst existirende Wesenmuss unendlich und allgegenwärtig sein“, oder „das nothwendig existirendeWesen ist uotliwendig das einzige“; aber an irgend einen Anhaltspunktfür eine ernsthafte, des Menschen würdige Geistesarbeit ist bei so vagenBegriffen gar nicht zu denken. Was soll mau nun dazu sagen, wennein Mann wie Holbach fast fünfzig Seiten seines Werkes allein demBeweise Clarkes für das Dasein Gottes widmet, einem Beweise, dersich durchaus in solchen Sätzen bewegt, die von vorn herein jedesbestimmten Sinnes ermangeln ? Mit rührender Sorgfalt schöpft dasSystem der Natur in das Fass der Danai'den. Satz für Satz wirdunerbittlich vorgenommen und zergliedert, um immer wieder- auf die-selben einfachen Sätze zurückzukehreu, dass zur Annahme eines Gotteskein Grund vorliege, und dass die Materie von Ewigkeit her gewesen sei.
Ilolbach wusste übrigens recht gut, dass er gar nicht gegeneinen Beweis, sondern kaum gegen den Schatten eines Beweiseskämpfe. Er zeigt an einer Stelle, dass Clarkes eigene Definition desNichts vollkommen mit seiner Begriffsbestimmung Gottes, die nurnegative Prädikate enthält, Zusammenfalle. Er macht an einer andern