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Zweites Buch Erster Abschnitt.
Flourens, Magendie, Leurct, Longet wetteiferten darin, Tliieredes Gehirns zu berauben und dann ihr Benehmen zu beobachten.In Deutschland beeiferte man sich, daraus Schlüsse über die Naturder Seele zu ziehen. Auch für die Reform der Psychiatrik kamder wichtigste Anstoss aus Frankreich; denn nichts war so geeignet,den transscendentalen Träumen des theologisirenden Heinroth undseiner Anhänger für immer ein Ende zu machen, als das Studiumder Werke des verdienstvollen Esquirol, die 1S3S ins Deutscheübersetzt wurden.
Wie man sieht, kamen die Einflüsse, welche sich damals imwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Deutschlands geltendmachten, zum grossen Theil von Aussen. Es lag aber in der Ge-sammtheit unsrer Zustände, dass dasjenige, was anderwärts nur denEindruck einer wissenschaftlichen Thatsache machte, bei uns sofortzum Ferment einer Gäbrung der Geister wurde, die beständig zunahm.In den Vierziger Jahren wurde der Drang nach neuen Zuständenaggressiv. Man begnügte sich nicht mehr damit, ein freies Wort zuwagen, eine kühne Idee auszusprechen; sondern man bezeichnete diebestehenden Zustände geradezu als unhaltbar. Seit Rüge mit denHallischen Jahrbüchern das Signal gegeben, verband sich das Strebennach politischer Freiheit mit wissenschaftlichen und socialen Bestre-bungen mancherlei Art zu einem gemeinsamen Sturm der Opposition.Namentlich waren die kirchlichen Zustände Gegenstand des Angriffsund eben deshalb galten materialistische Ideen im Ganzen als will-kommne Bundesgenossen, während doch der Hegelianismus und dierationalistische Kritik im Vordergründe standen. In der Religion warman besonders über die Fesseln entrüstet, welche eine immer allge-meiner werdende Rehabilitationssucht der Wissenschaft anzulegendrohte; in der Politik empörten besonders die Versuche einer unkla-ren Romantik, die Vorstellungen vergangener Jahrhunderte wiederheraufzubeschwören. Fast konnte es scheinen, als sei ein wissen-schaftlicher Drang im Kampf mit den Hemmnissen der Staatsgewaltdas Geheimniss der Spannung, die sich bald zu entladen begann.Wie immer wurde die Bewegung in ihrem Fortschreiten idealistischer.Religion und Poesie wurden in den Kampf gerufen. Die poli-tische Dichtung erreichte ihren Höhepunkt. Der Deutsch-Katholicismus machte den ersten Riss; dann zog eine Reihe vonStürmen durch ganz Europa und das Jahr 184S machte demlängst verhaltenen Groll auf einmal Luft.