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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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301
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Pie neuere Philosophie.

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über die Wahrscheinlichkeiten“ noch Vielen unserer Gebildeten ernst-hafte Schwierigkeiten darbieten.

Hier ist freilich zu Büchners Gunsten anzuführen, dass die Phi-losophie auch nicht nur als Quintessenz der Wissenschaften, als letztesErgebniss aus der Vergleichung ihrer Resultate, aufgetreten ist, son-dern nicht minder als Einleitung und Vorbereitung. In diesem letzte-ren Sinne fasste schon die Scholastik die Philosophie auf, und bis aufdie neueste Zeit hin blieb es an unseren Universitäten üblich, philo-sophische Vorlesungen den Fachstudien voranzustellen. In England undFrankreich aber hat man oft geradezu die philosophische Behandlungder Dinge mit der populär fasslichen verwechselt. Daher kommt esauch, dass Büchner in Deutschland mehr als populärer polemischerSchriftsteller geschätzt wird, während seine zahlreichen Anhänger inEngland und Frankreich weit eher bereit sind, ihm den Anspruch anphilosophische Bedeutung einzuräumen.

Eins der merkwürdigsten Beispiele von der Relativität unsererBegriffe kann man ferner gerade darin finden, dass diejenigen Eigen-schaften, durch welche Büchner dem grossen Publicum klarer scheint,genau das Gegentheil von dem sind, was die strengere Wissenschaftklar nennt. Hätte Büchner z. B. den Begriff der Hypothese inwissenschaftlichem Sinne genommen, so wäre er vermuthlich vielenseiner Leser unverständlich geblieben, da schon nicht unbeträchtlichelogische Bildung nebst einiger Orientirung in der Geschichte derWissenschaften dazu gehört, um diesen Begriff so zu fassen, dass er

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einem scharf denkenden Menschen klar ist. Bei Büchner aber be-deutet „Hypothese“ jede Art von ungerechtfertigten Annahmen, wiez. B. die deducirten Sätze der philosophischen Speculation. Der Aus-druck „Materialismus“ steht bald in seinem geschichtlich richtigenSinn, bald ist er mit „Realismus“, bald mit „Empirismus“ gleich-bedeutend; es kommen sogar Stellen vor, wo dieser positivste allerphilosophischen Begriffe rein negativ gebraucht wird und mit Skepti-eismus nahezu zusammenfällt. Noch stärker variirt die Bedeutung von„Idealismus“, was oft fast synonym mit „Orthodoxie“ zu seinscheint. Gerade durch diese vage Fassung erscheinen nun aber solcheBegriffe denjenigen klar, welche die genaue Bedeutung solcher Aus-drücke nicht kennen, und doch das Bedürfniss empfinden, darübermitzureden. Es ist fast wie mit der Wirkung einer Brille für ver-schiedene Entfernungen und verschiedene Augen. Wer in diesenDingen mit blossem Auge weiter sieht, findet durch Büchners Brille