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Zweites Buch. Erster Abschnitt.
Alles unklar; wer dagegen äusserst kurzsichtig ist, glaubt durch diesesMedium sehr klar zu sehen und sieht auch wirklich klarer als ohnesolche Beihülfe. Nur schade, dass die Brille zugleich stark gefärbtist! Namentlich begegnet es Büchner immer wieder, dass er dieeigentlichen Lehren der Philosophen für gar zu einfältig ansieht, weiler bemerkt, dass sie im Leben oft in conservativer Tendenz sich mitgroben Vorstellungen des täglichen Lebens verbünden. So kann unsnamentlich das Capitel über angeborne Ideen nur dunkle Erinne-rungen an die Redefloskeln eines unwissenden Predigers oder an ver-dächtige Wendungen eines Lesebuches für fleissige Knaben wachrufen, während wir in der neueren Philosophie vergeblich nach einemSatze suchen würden, welcher die von Büchner bekämpften Lehrenwirklich vorträgt. Hier sieht man denn freilich auch, dass es einegerechte Strafe für die Unredlichkeit unserer zahmen Philosophen ist,wenn sie sich gleichsam auf offener Strasse müssen ohrfeigen lassen,ohne dass das Publicum, welches hierin seinem Gefühle folgt, auchnur die mindeste Sympathie mit ihnen empfindet.
Wie Büchner im Gebrauch der einzelnen Begriffe schwankend undwillkürlich ist, so kann er natürlich auch nicht als Vertreter einesscharf ausgesprochenen, bestimmten positiven Princips betrachtet wer-den. Scharf, unerbittlich und consequent ist er nur in der Negation;aber diese scharfe Negation ist durchaus nicht die Folge eines trocknen,rein kritischen Verstandes; sie stammt vielmehr aus einer schwärme-rischen Begeisterung für den Fortschritt der Humanität, für den Siegdes Wahren und Schönen. Was diesem im Wege steht, hat er hin-länglich erkannt, um es unerbittlich zu verfolgen. Manches Harmlosemag ihm auch verdächtig scheinen. Was aber unverdächtig ist, wo-bei er keine Schurkerei, kein böswilliges Hintertreiben des wissen-schaftlichen und moralischen Fortschritts vermuthet, das kann er Allesbrauchen. Büchner ist von Haus aus eine idealistische Natur. Erstammt aus einer Familie voll reicher poetischer Begabung. Einerseiner Brüder starb früh als hoffnungsvoller Dichter; ein anderer hatsich ebenfalls als Dichter und Geschichtschreiber der Dichtkunst be-kannt gemacht; seine Schwester, Luise Büchner, ist als reich begabteSchriftstellerin und Sammlerin von Dichterstimmen der deutschen Frauen-welt weit und breit bekannt. Er selbst zeichnete sich — hierin De laMettrie vergleichbar — als Schüler vorzüglich aus durch literarische,philosophische und poetische Studien und durch seine stilistischen Lei-stungen. Auch bei ihm war es der Wunsch des Vaters, welcher für