Die neueren Naturwissenschaften.
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jüngere Mediciner, werden sich, als lebendiger Beweis für unsere An-sicht, bei dieser Stelle versucht fühlen, das Buch wegzuwerfen. Alsogemach!
Ich sprach nicht von Vertiefung in abstruse Systeme, sondern vonphilosophischer Bildung. Man wird kaum im Ernst behaupten, dasses mit dieser im Vaterlande der logischen Zwangscollegia und der phi-losophischen Tentamina weit her sei. Bildung schützt vor Enthusias-mus. In Frankreich ist es vor allen Dingen die Mathematik, welchedie philosophische Bildung ersetzt. Das Genie dieser Nation hat denmathematischen Formeln Leben eingehaucht und aus dem Wesen derDefinition und der Schlussfolgerung jenen consequenten Relativismuserzeugt, welcher die allein sichere Grundlage aller Exactheit bildet.Das Bewusstsein der Prämissen verlässt den französischen Forschernicht leicht, und er spricht seine Schlussfolgerung nicht absolut aus,sondern im Hinblick auf die Voraussetzung, seine Lehrsätze sind keineDogmen, sondern Glieder der endlosen Kette wissenschaftlichen Fort-schritts. Allerdings ist auch grade der Franzose geneigt, in das entgegen-gesetzte Extrem zu fallen, wie wir es neuerdings wieder in dem Streitüber die Urzeugung gesehen haben. Allein eben diese natürliche Nei-gung zur leidenschaftlichsten Verfechtung eines Dogmas spricht nur fürdie Macht der mathematischen Bildung, welche solche Ausbrüche in derRegel verhütet. Diese Bildung, getrennt von der bedeutungslosen Schul-philosophie, ist in Frankreich zu einer eignen Philosophie der exactenWissenschaften geworden, deren Wesen die Selbstbeschränkung ist,und jener academische Zweifel, welcher für die Naturforschung gleich-sam die Bedeutung eines gesunden Himmelsstriches hat.
In England aber, dem Vaterlande eines Mill, Whewell, Herr-schet, kann man die philosophische Bildung nur dann vermissen, wennman von dem Axiom ausgeht, dass sie nur in Deutschland zu finden sei.Allerdings ist von einer so allgemeinen Verbreitung einer philosophi-schen Weihe, wie sie in Frankreich das Studium der Mathematik ver-leiht, hier nicht die Rede; dafür ist aber der Einfluss der Philosophieauf die Behandlungsweise der Naturwissenschaften tiefer und allseitiger.Der Engländer weiss, wie der Deutsche, in einer philosophischen Ideeden Antrieb zu einer bedeutungsvollen und auf allgemeinere Wahrheitengerichteten Forschung zu finden, und dabei doch, wie der Franzose,das unnütze Prunken mit metaphysischen Consequenzen zu vermeiden.Lyells Geologie hat Volger zu dem Dogma von der Ewigkeit derWelt veranlasst; der englische Forscher zerschlägt ruhig mit seinen
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