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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
Thatsachen und Betrachtungen die Revolutionstheorie in Stücke und zeigt,wie die Spuren der grossartigsten Veränderungen der Erdoberfläche ausVorgängen zu erklären sind, welche wir noch jetzt tagtäglich vor Augenhaben. Die Frage einer eigentlichen Ewigkeit der Welt, in dem Sinne,in welchem Volger und Czolbe sie fassen, kommt bei Lyell gar nicht vor.Was hat man in Deutschland nicht aus Darwins Theorie der Artenbildung,aus Huxley’ s Forschungen über den Menschen für weitgehende Folgerun-gen gezogen, während der Engländer die Gedanken, die sich ihm aufdrän-gen müssen, verschweigt und nur durch die nächstliegenden Folgerungenzu wirken sucht. Hierbei hat gewiss die Rücksicht auf eine zur National-sitte gewordene Kirchlichkeit ihren Antheil; allein es wäre unbillig, zuverkennen, dass es zugleich die philosophische Bildung ist, welche jeneZurückhaltung erzeugt. Einmal werden ja die Schlüsse doch gezogen;wie aber nur durch einen langsamen Process sich grosse und schöneKrystalle gewinnen lassen, so muss auch die Enthaltsamkeit in vor-zeitigen Folgerungen als nothwendige Bedingung eines grossen philoso-phischen Erfolges betrachtet werden.— Sind wir aber in Deutschlandüberhaupt an Ideen und Systemen productiver als andere Nationen, sobedürften wir auch eines um so höheren Grades kritischer Bildung, umdas Gleichgewicht zwischen unseren Meinungen und unseren Erkenntnissenzu erhalten.
Liebig hat wohl nicht eben an philosophische Bildung gedacht,als er den Materialisten den Vorwurf des Dilettantismus machte. Erwollte vielmehr andeuten, dass sie keine streng naturwissenschaft-liche Schule hätten. Hier muss zunächst bemerkt werden, dass dieseSchule, sobald sie sich zur bewussten Methodologie erhebt, jedenfallsein philosophisches Element ist. Sie lebt nun freilich in den Labora-torien auch als Dressur, als Ueberlieferung; wie dies ja auch nichtminder in den philologischen und historischen Seminarien vorkommt, indenen eine Masse mittelmässiger Köpfe zurechtgestutzt werden muss.Ja, eine dritte Form ist vielleicht wichtiger als beide andern: es ist dermethodische Instinct des Genie’s, dessen unbewusster Drang zur Be-folgung derselben Regeln führt, welche der Philosoph theoretisch ent-wickelt, und welche den Novizen praktisch eingepaukt werden. Wennwir nicht irren, war der jugendliche Apothekerlehrling Liebig einst einsolches Genie; während der alternde Freiherr sich jetzt mit staunens-werther Jugendfrische in die methodologischen Fragen wagt, in welchener vermuthlich Dilettant bleiben wird. In etwas höherem Grade sindvielleicht eben in dieser Beziehung Vogt, Moleschott und Büchner