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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
den exakten Wissenschaften, und es ist dabei völlig gleichgültig, obes sich um Fälle handelt, in welchen man mit Durchschnitts-werthen arbeitet, oder um solche, in welchen schon der einzelneVersuch von Bedeutung ist. Der Durchschnittswerth dient ja zu-nächst nur, um die objektiven Schwankungen zu eliminiren; damitnun aber auch die subjektiven Fehler vermieden werden, ist dieallererste Vorbedingung die, dass für den Mittelwerth selbst der wahr-scheinliche Fehler bestimmt werde, welcher eben genau den Spielraumungerechtfertigter Deutungen bezeichnet. Erst wenn der wahrschein-liche Fehler klein genug ist, um ein Resultat überhaupt als zulässigzu erachten, steht die Beobachtungsreihe als Ganzes auf demselbenlogischen Boden, wie ein einzelnes Experiment auf Gebieten, für welchedie Eliminirung objektiver Schwankungen durch einen sichern Mittel-werth der Natur der Sache nach nicht erforderlich ist. Wenn z. B.Zweck eines Experimentes ist, das Verhalten eines neu entdecktenMetalls zum Magneten zu prüfen, so wird bei Anwendung allerüblichen Vorsichtsmaassregeln und guter Apparate schon das ein-zelne Experiment beweisen, indem die Erscheinung, um welche essich handelt, leicht wiederholt werden kann, ohne dass die kleinenUngleichheiten in der Stärke der Wirkung, die immer vorhanden seinwerden, einen Einfluss auf den Satz ausüben, den man be-weisen will.
Hienach ist denn auch die etwas behutsamere Polemik zu be-urtheilen, welche Voit in seinen „Untersuchungen über den Einflussdes Kochsalzes, des Kaffees und der Muskelbewegungen“ (München1860) gegen Radicke geführt hat. Er findet nämlich bei seinen eignenUntersuchungen oft Ungleichheiten der einzelnen Beobachtungswerthe,welche nicht als zufällige Schwankungen, sondern vielmehr als durchdie Natur des Organismus bedingte und mit Regelmässigkeit eintre-tende Ungleichheiten zu betrachten seien; indem z. B. der dem Experi-ment unterworfene Hund bei ganz derselben Fleischnahrung erst einegeringere und dann eine grössere Menge Harnstoff ausscheidet, undumgekehrt beim Fasten. Wo aber die Vermuthung solcher in derNatur der Sache liegenden Ungleichheiten vorliegt, da ist es so durch-aus selbstverständlich, dass man nicht mit Mittelwertheu operirt, dasses schwer zu begreifen ist, wie dieser Fall überhaupt gegen Radickeangewandt werden konnte. Ob aber nun, wie Voit beansprucht, indiesem Falle jedem einzelnen Versuch der Werth eines Experi-mentes beizulegen ist, hängt durchaus, wie bei jedem Experiment, von