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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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Vierordt nämlich bemerkte zu der Abhandlung, die er im Allgemeinenwohl billigte, „dass es ausser der rein formalen, mit einer gewissenmathematischen Schärfe beweisenden Logik des Wahrscheinlichkeits-calculs in vielen Fällen noch eine Logik der Thatsaclien selbstgiebt, die, in rechter Weise angewandt, einen kleineren, oder selbstsehr grossen Grad von Beweiskraft für den Mann vom Fach besitzt.“Der bestechende, aber doch im Grunde höchst unglücklich gewählteAusdruck „Logik der Thatsaclien“ fand bei Manchen Anklang, denendie schneidende Schärfe der mathematischen Methode unbequem seinmochte; er wurde jedoch vom Prof. Ueberweg, einem Logiker voneminenter Befähigung zur Untersuchung solcher Fragen (Archiv fürpathol. Anat. XVI.), auf ein sehr bescheidnes Maass der Berechtigungzurückgeführt. Ueberweg zeigte überzeugend, dass das, was man etwaals „Logik der Thatsaclien“ bezeichnen könne, in vielen Fällen alsVorstufe der strengeren Untersuchung einen Werth haben möge, „etwaso, wie die Abschätzung nach dem Augenmaass, so lange noch diemathematisch strenge Messung unmöglich ist;“ dass aber nach rich-tiger Durchführung der Rechnung von einem durch die Logik der Tliat-sachen ermittelten abweichenden Resultat nicht mehr die Rede seinkönne. In der That ist jenes unmittelbare Bewusstsein, welches derFachmann während der Versuche erhält, grade so gut dem Irrthumausgesetzt, wie jede beliebige Bildung eines Vorurtheils. Wir habenweder Veranlassung zu bezweifeln, dass sich während des Experimen-tirens solche Ueberzeugungen bilden; noch anzunehmen, dass ihnenmehr Werth zuzuschreiben ist als der Bildung von Ueberzeugungenauf nicht wissenschaftlichem Wege überhaupt. Das wahrhaft Be-weisende in den exakten Wissenschaften ist eben nicht der materialeVorgang, das Experiment in seiner unmittelbaren Einwirkung auf dieSinne, sondern die ideelle Zusammenfassung der Resultate. Es be-steht aber unläugbar unter vielen Forschern, und besonders bei denPhysiologen, die Neigung, das Experiment selbst, nicht seinelogisch-mathematische Deutung als das Wesentliche der Forschungzu betrachten. Daraus ergiebt sich denn leicht der Rückfall in diegrösste Willkür von Theorieen und Hypothesen; denn die materiali-stische Idee eines ungestörten Verkehrs zwischen den Gegenständenund unsern Sinnen widerspricht der menschlichen Natur, die allent-halben, selbst in die scheinbar unmittelbarste Thätigkeit der Sinne,die Wirkungen des Vorurtheils einzuschieben weiss. Dass diese eli-min irt werden, ist ja grade das grosse Geheimniss aller Methodik in

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