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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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diese Thatsache zur Unterstützung seiner Stabilitätstheorie benutzt.Es ist aber ganz klar, dass aus dieser Thatsache weiter nichts folgt,als dass die Verzögerung der Umdrehungsgeschwindigkeit, welcheaus der physikalischen Theorie als nothwendig zu entnehmen ist,auf keinen Fall schneller vor sich geht, als etwa 1 Sekunde in600,000 Jahren. Nehmen wir aber an, sie betrüge auch nur in100 Millionen Jahren eine einzige Sekunde, so müssten sich schonnach wenigen Billionen von Jahren die Verhältnisse von Tag undNacht auf der Erde so total geändert haben, dass das ganze jetzigeLeben der Oberfläche verschwinden müsste, und der totale Stillstandder Axendrehung könnte nicht lange ausbleiben. In zwei Fällenmöchte man sich mit Recht auf die von Czolbe angeführte Be-obachtung berufen: einmal wenn es überhaupt nur darauf ankäme,eine recht lange, und nicht gerade eine ewige Dauer des gegen-wärtigen Zustandes zu beweisen; sodann aber auch, wenn auf derandern Seite durchaus keine Gründe für die Annahme einer Aende-rung dieses Zustandes beständen. Sobald aber eine solche Aenderungdurch Theorie oder Beobachtung erwiesen wird, kommt jener angeb-liche Gegengrund gar nicht mehr in Betracht; es sei denn, dassunsre Rechnung ausdrücklich eine schnellere Aenderung ergäbe, alsV300 Sekunde in 2000 Jahren. Nur in diesem Falle müsste manschliessen, dass eine von beiden Rechnungen nothwendig falsch seinmuss. Wir haben nun aber ein vollständig durchschlagendes physi-kalisches Princip jener Verzögerung in dem Einfluss von Ebbeund Fluth. Hier findet die ganze zwingende Schärfe mathematischerSchlüsse ihre Anwendung. Nur unter der Voraussetzung einer abso-luten Starrheit des Erdkörpers müssen sich die Wirkungen der At-traktion, welche die Rotation hemmen, mit denjenigen, welche siebeschleunigen, vollständig ausgleiclieu. Da nun aber verschieblicheTlieile da sind, muss der Erdkörper mit Nothwendigkeit eine ellipsoi-dische Schwellung erhalten, deren Verschiebung auf der Oberfläche einewenn auch noch so geringe Reibung hervorbringt. Das Zwingendedieses Schlusses kann nicht im Mindesten dadurch erschüttert werden,dass nach neueren Beobachtungen die Erscheinung der Ebbe undFluth, welche wir an unsern Küsten wahrnehmen, nicht sowold durcheine fortschreitende Schwellung hervorgerufen werden, als vielmehrdurch eine einmalige bedeutende Hebung, welche entsteht, wenndie Mitte der grössten Meeresflächen grade dem Monde oder derSonne zugewandt ist. Sind auch die ringförmig sich von dieser He-