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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

bung verbreitenden Wellen, insofern sie nach allen Seiten gleich-massig gehen, ohne hemmenden Einfluss auf die Rotationsgeschwin-digkeit, so muss doch die hemmende Wirkung der Flutli ebenfallsvorhanden sein, nur minder bemerkbar. Unmöglich kann der Pro-cess derselbe sein, als wenn die Erde sich ruckweise drehen, und inder Position, bei welcher die Fluthwelle sich bildet, jedesmal einigeSekunden unbeweglich verharren würde. Es muss eine fortschrei-tende Fluthwelle geben, wenn nicht die ganze Physik trügen soll.Die wirkliche Flutli kann man sich denken als zusammengesetzt ausden Wirkungen einer stehenden und einer fortschreitenden Fluthwelle.Mag auch die Wirkung der letzteren in den unendlich verwickeltenErscheinungen der Ebbe und Flutli anscheinend verschwinden, sokann doch ihre hemmende Wirkung nimmermehr verloren gehen.Und, wie klein auch immer eine stetig wirkende Ursache sei; manhat nur die Zeiträume gross genug zu nehmen und das Resultat istunausbleiblich. Ein Theil der lebendigen Kraft der Planetenbeweguug♦ wird unbedingt durch Ebbe und Flutli vernichtet. „Wir kommen da-durch“, sagt Helmholtz in seiner Abhandlung über die Wechsel-wirkung der Naturkräfte, „zu dem unvermeidlichen Schlüsse, dassjede Ebbe und Flutli fortdauernd, und wenn auch unendlich langsam,doch sicher, den Vorrath mechanischer Kraft des Systems verringert,wobei sich die Axendrehung der Planeten verlangsamen muss, undsie sich der Sonne, oder ihre Trabanten sich ihnen nähern müssen.“

Eine gleich unerlässliche Bedingung ewig unveränderter Planeten-bewegung, wie die absolute Starrheit der Himmelskörper ist auch dieabsolute Leere des Raums, in welchem sie sich bewegen oder wenigstensdie völlige Widerstandslosigkeit des Aethers, von dem man sich den-selben erfüllt denkt. Es scheint, dass auch diese Bedingung nicht er-füllt ist. Der Enke’sche Komet beschreibt gleichsam vor unsernAugen immer engere Ellipsen um die Sonne, und es liegt kein Grundnäher, dies zu erklären, als die Annahme eines Widerstand leisten-den Mediums. Hier ist freilich der Zwang einer nothwendigen De-duktion nicht gegeben; allein es liegt eine Beobachtung vor, welcheuns nöthigt, das Vorhandensein eines Widerstand leistenden Mediumsmindestens als wahrscheinlich anzunehmen. Mit der blossen Tliat-sache eines, wenn auch noch so geringen Widerstandes des Aethersist aber alles Weitere gesagt.

Vollkommen zwingend ist wieder der Schluss, dass die Wärmeder Sonne nicht ewig währen kann. Man kann diesem Schluss