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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

die angewandten Mittel mehr oder minder zersetzt und absorbirt, dieKohlensäure vom Aetzkali, das Ammoniak von der Schwefelsäure.Die Erhitzung der Luft muss einen besondern Einfluss auf die An-ordnung der Moleküle der Luft äussern. . . . Wir haben Fälle genugin der Chemie, wo es sich um scheinbar sehr geringfügige Umständehandelt, wenn eine Verbindung oder Zersetzung bewerkstelligt werdensoll. ... Es ist möglich, dass gerade die bestimmte Menge vonAmmoniak, von Kohlensäure, dass eine gewisse Lagerung oder Span-nung der Moleküle in der Atmosphäre nöthig sind, um den Processder Neubildung eines Organismus einzuleiten und durchzuführen. DieBedingungen, unter denen die beiden Kolben stehen, sind demnachnicht vollkommen gleich, weshalb auch der Versuch nicht ganz be-weisend erscheint.“ In der That ist durch diese Ausführung dieUnzulänglichkeit des Sehwann’schen Versuches dargethan, und dieFrage durfte als eine offne betrachtet werden; zumal da eine Reihegewichtiger Bedenken der Annahme entgegen steht, dass alle Keimeder zahllosen Infusorien, welche bei jenen Versuchen erblickt werden,in der Luft lebensfähig umhertreiben. Ehrenberg nahm eine Thei-lung der Infusorien an, welche in geometrischer Proportionsreihefortschreitend in wenigen Stunden das Wasser bevölkern sollte; alleinVogt hat mit Recht die Unwahrscheinlichkeit dieser Hypothese her-vorgehoben. In neuerer Zeit hat man nun begonnen, die in derLuft etwa schwebenden Stäubchen systematisch zu sammeln, bevorder weitere Versuch beginnt, Pasteur wirft seine Sammlung angeb-licher Keime und Eier in die zum Versuch bestimmten Flüssigkeitenund glaubt damit Infusorien und Pilze zu säen; Ploucliet besiehtsich die Sammlung vorher. „Er lässt Hunderte von KubikmeternLuft durch Wasser streichen und untersucht das Wasser; er erfindetein eigenes Instrument, das Luft gegen Glasplatten bläst, auf denendie Samenstäubchen haften bleiben; er analysirt Staub, der sichniedergesetzt hat, und zwar macht er diese Versuche auf den Glet-selierhöhen der Maladetta in den Pyrenäen, wie in den Katakombenvon Theben, auf dem Festlande wie auf dem Meere, auf den Pyra-miden Aegyptens wie auf der Spitze des Domes von Rouen. Erschleppt so eine Menge von Luft-Inventarien herbei, in denen zwaralles Mögliche figurirt, aber nur höchst selten ein Keimsporn einesSchimmelpflänzchens und noch weit seltener die todte Leiche einesInfusoriums.“ Auch Schaaffhausen bestätigt, dass das Mikroskopnur selten ein Schimmel - Keimkorn oder ein ausgetrocknetes und