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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

liclier Formen Nachdruck gegeben wird. So ist namentlich das Werkder Herren Nott lind Gliddon (types of mankind 1854) ganz vonder amerikanischen Tendenz durchdrungen, die Neger als möglichstniedrig und thierähnlich organisirte Wesen erscheinen zu lassen; daaber in der Behandlung dieser Fragen bisher die entgegengesetzteTendenz vorherrschte, so hat grade dies Buch viel zu einer schärfe-ren Erfassung der charakteristischen Merkmale der Bassen beigetra-gen. Die in mancher Beziehung vortreffliche Anthropologie derNaturvölker des für die Wissenschaft zu früh verstorbenen Waitzleidet dagegen wieder ganz an einer durchgehenden Ueberschätzungder Gründe, welche für die „Einheit“ der Menschheit sprechen. Diesgeht so weit, dass Waitz sich sogar häufig auf den ganz unzuver-lässigen und unwissenschaftlichen' Prichard beruft, dass er Blumen-bach (1795!) in den Fragen der Art- und Kassenunterschiede nochjetzt als erste Autorität betrachtet, dass er R. Wagners Samm-lung von Bastardfällen (zu Prichard) mit dem Beiwort „sorgfältig“beehrt und endlich gar auf den Satz verfällt: „Was sollten in derTliat auch die specifischen Unterschiede in der Natur noch für eineBedeutung haben und als wie unzweckmässig erschiene ihre Festig-keit, wenn ihre Verwischung durch fortlaufende Bastardzeugungenmöglich wäre?“ Dass auf solchem Standpunkt eine Leistung in derHauptfrage nicht zu erwarten ist, selbst wenn die Entscheidung ansich möglich wäre, bedarf keines Beweises. Wie es denn überhauptgehn kann, wo man Dinge auf mühevollen Umwegen zu beweisensucht, die jeden Augenblick durch die Erfahrung widerlegt werdenkönnen, mag nur das eine Beispiel zeigen, dass Waitz noch ruhigHasen und Kaninchen als Arten anführt, welche jedem Kreuzungs-versuche widerstehen, während Herr Roux in Angouleme mitseinen Dreiachtelhasen, einer von ihm erfundenen neuen Tliier-species — oder Rasse wenn man lieber will — schon seit acht Jah-ren vortreffliche Geschäfte machte.

Eine besonders merkwürdige Folge der theologischen Tendenzscheint sich bei unsern Materialisten zu ergeben, wenn sie einer-seits die Arteinheit des Menschengeschlechtes leugnen, anderseits da-gegen nicht anstehen, durch Herleitung des Menschen vom Affeneine neue Arteinheit aufzustellen, welche jedenfalls viel auffallendereVerschiedenheiten in sich schloss. Vogt, welchem man nicht ab-sprecheu kann, dass er in seinem neuesten Werke, den Vorlesun-gen über den Menschen diese Fragen mit grosser Umsicht behan-