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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Die neueren Naturwissenschaften.

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bietet, um auch nur einen wahrscheinlichen Erfahrungssatz zuzulassen,geschweige denn ein „Gesetz“, hat uns schon mehrmals gezeigt, wieäussere Entfaltung und inneres Absterben der Nationen Hand in Handgingen, und die Neigung der Menge wie der „Gebildeten“ nur fürihr materielles Wohl zu sorgen und sich dem Despotismus zu unter-werfen, ist im Alterthum und vielleicht auch bei mehreren Cultur-völkern des Orients ein Symptom solchen innern Absterbens gewesen.Wir haben damit den theoretischen Ort einer Frage bezeichnet, diewir im letzten Abschnitt von einem ganz andern Gesichtspunkte ausbetrachten wollen.

Wie die Frage nach dem Alter des Menschengeschlechtes denMaterialismus im Grunde nur als den offensten und handgreiflichstenOpponenten gegen unklare theologische Vorstellungen beschäftigt,während sie mit der innersten Grundlage des specifisclien Materialis-mus wenig zu schaffen hat, so ist es auch mit der Frage nach derArteinheit des Menschengeschlechtes. Diese Frage ist eineblosse Umbildung der Frage der Abstammung von einem Paare,wie Cuviers Theorie der Erdrevolutionen eine Umbildung der Sagevon den Schöpfungstagen war, und wie die Lehre von der Unver-änderlichkeit der Arten sich auf die Arche Noah zurückführen lässt.Ohne die allmählige Loslösung von diesen Traditionen wäre die an-geblich so vorurtheilsfreie Wissenschaft gar nicht dahin gekommen,diese Fragen so eifrig zu behandeln und der Kampf des grösserenIrrthums mit dem geringeren ist auch hier eine Quelle mancher för-derlichen Erkenntniss geworden. Um etwas zu entscheiden, wovonNiemand eine klare Vorstellung hat, nämlich ob die Menschheit eineEinheit bilde, hat man Schädel gemessen, Skelete studirt, Propor-tionen verglichen und jedenfalls die Ethnographie bereichert, denGesichtskreis der Physiologie erweitert und zahllose Thatsaehen derGeschichte und Anthropologie gesammelt und der Vergessenheit ent-rissen. In Beziehung auf die Hauptsache aber ist durch all diesenFleiss nichts entschieden, als etwa dies, dass die innerste Triebfederdieser Erörterungen nicht in einem rein wissenschaftlichen Interesseliegt, sondern in mächtigen Parteifragen. Die Sache ist hier dadurchverwickelter, dass ausser dem vermeintlichen religiösen Interesse nochdie Sklavenfrage von Nord-Amerika herüber mächtig in diesen Streiteingegriffen hat. In solchen Fällen begnügt sich der Mensch leichtmit den wohlfeilsten und fadenscheinigsten Gründen, denen danndurch den Pomp der Gelehrsamkeit und den Anstrich wissenschaft-

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