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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Bach. Zweiter Abschnitt.

darin, wenn wir einen einzigen Satz so zergliedern; noch wenigerGehässigkeit gegen einen Autor, dessen Leistungen wir hoch schätzen.Es handelt sich wieder um eine ganze Klasse von Trugschlüssen,die wir der Anschaulichkeit wegen an einem Beispiel vorzeigen, wieder Anatom seine Präparate zeigt.

Huschke hat durch eine grosse Reihe an sich höchst werthvollerUntersuchungen dargethan, dass beim Weibe verhältnissmässig dasScheitelhirn, beim Manne das Stirnhirn voluminöser und gewich-tiger ist.

„Wenn nun“, sagt _ er darauf, „der physiologische Grundsatzrichtig ist, dass mit der Vervollkommnung einer Thätigkeit auchdas entsprechende Organ eine analoge Veränderung, Vergrösserungund Ausbildung erfährt [I] und dieser Grundsatz auch auf diephysiologische Psychologie angewendet werden muss [II], so folgtauch, dass die psychischen Eigenthümlichkeiten des weiblichen Ge-schlechts ihren Sitz im Scheitelhirn, die des männlichen im Stirnhirnhaben [III].“

Der Causalzusammenliang zwischen den Sätzen, an deren Schlusswir [I] und [II] gesetzt haben, bedarf nur weniger Bemerkungen...Veränderung“ ist eine Erweiterung, die dem Begritfskreise beiderfolgenden Sätze [II] und [III] nicht entspricht. Muskeln, Knochen,Gefässe, Nervenstämme vergrössern sich mit der Uebung und bildensich aus; doch kann schon hier unter Umständen Verkleinerung mitVerstärkung der Struktur eintreten. Der Fettleibige kann durchGymnastik magerer werden. Das Auge des Scharfsichtigen ist nichtgrösser, als das des Blödsichtigen; ob sein Sehnerv stärker ist, dieSehhtigel, die Vierhügel etc. ausgebildeter, wissen wir einfach nicht.An sich ist es grade so gut möglich, dass eine schwammige undausgedehnte Struktur dieser Theile sich durch den Gebrauch zusam-menzieht und fester wird, als dass sie im Ganzen anschwellen. Esist daher im Uebergang von [I] auf [II] höchstens eine gewisseWahrscheinlichkeit dafür zu finden, dass die stärker tlüitigen Hirn-theile auch grösser und ausgebildeter — nicht nur „verändert“ seinmüssen.

Um nun den typischen Fehler der Schlussfolgerung kurz undanschaulich zu zeigen, wollen wir einfach die richtige Folgerung zumVergleich neben die falsche stellen. Es folgt nämlich aus [I] und[II] nur,

„dass die psychischen Eigenthümlichkeiten des männlichen und