Die neueren Naturwissenschaften.
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ihn .verwerfen, weil das Objekt der Wissenschaft sich geändert hat?Das wäre unpraktische Pedanterei. Also nur ruhig eine Psychologieohne Seele angenommen! Es ist doch der Name noch brauchbar, solange es hier irgend etwas zu thun giebt, was nicht von einer andernWissenschaft vollständig mit besorgt wird. Freilich sind die Grenzengegen die Physiologie nicht leicht zu ziehen. Das schadet aber auchgar nichts. Wenn dieselben Entdeckungen auf zwei verschiednenWegen gemacht werden, so ist ihr Werth um so grösser. Doch ge-nauer lässt sich dies Verhältniss erst einsehen, wenn wir die Fragenacli dem Verfahren der Psychologie stellen, wo denn namentlichder berüchtigte Begrilf der Selbstbeobachtung der Kritik unter-liegt.
Kant trägt einige Schuld an der Begriffsverwirrung auf diesemGebiete. Seine Unterscheidung des äusseren und des innerenSinns ist noch eben so roh aus veralteten Anschauungen hinüber-genommen, wie jene Annahme verschiedner Geistes vermögen, welche,sammt der ganzen überlieferten Psychologie, einen so tiefgreifenden Ein-fluss auf die Gestaltung seines Systems behauptete. Man bildete sichein, der Mensch habe gleichsam zwei Geistesorgane, deren eines,nach innen gekehrt, der Selbstbeobachtung diene, während das andreder Erfassung der Aussen weit gewidmet sei. Der äussere Sinn be-dient sich der Sinnesorgane; man kann Schmerzempfindungen, obwohlman ihren Sitz in den eignen Körper verlegt, mit dem äusserenSinn wahrnehmen; während die eignen Gedanken und Gefühle, dassogenannte Selbstbewusstsein u. dgl. dem inneren Sinn zugeschriebenwerden.
Von dem „Beobachten seiner selbst“ sagt Kant, es sei einemethodische Zusammenstellung der an uns selbst gemachten Wahr-nehmungen, welche den Stoff zu einem Tagebuch des Beobachtersseiner selbst abgiebt „und leichtlich zu Schwärmerei und Wahn-sinn hinführt,“ Er warnt davor, „sich mit der Ausspähung undgleichsam studirter Abfassung einer inneren Geschichte des unwill-kürlichen Laufs seiner Gedanken und Gefühle durchaus nicht zubefassen“, und zwar „weil es der grade Weg ist in Kopfverwirrungvermeinter höherer Eingebungen und ohne unser Zuthun, wer weisswoher, auf uns einfliessenden Kräfte, in Illuminatismus oder Terro-rismus zu geratlien.“ „Denn unvermerkt machen wir hier vermeinteEntdeckungen von dem, was wir selbst in uns hineingetragen haben,wie eine Bourignon oder ein Pascal, und selbst ein sonst vor-
Lange, Geach. d. Mat. 30