Die neueren Naturwissenschaften.
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sondern, dass sie auch unendlich zusammengesetzte Produkte sind;dass ihre Qualität keineswegs nur durch den äusseren Reiz und diestabile Einrichtung eines Organs bedingt ist, sondern durch die Con-stellation sämmtlicher andrängenden Empfindungen. Wir sehen sogar,wie bei concentrirter Aufmerksamkeit eine Empfindung von einer an-dern, disparaten, vollständig verdrängt werden kann.
Sehen wir nun zu, was sich vom Materialismus noch halten
lässt!
Der antike Materialismus mit seinem naiven Glauben an dieSinnenwelt ist weg; auch die materialistische Vorstellungsweise vomDenken, welche das vorige Jahrhundert hegte, kann nicht mehr be-stehen. Wenn für jede bestimmte Empfindung eine bestimmte Faserim Hirn vibriren soll, so kann die Relativität und Solidarität derEmpfindungen und ihr Zerfallen in unbekannte Elementarwirkungennicht bestehen; geschweige denn, dass man gar Gedanken lokalisirenkönnte. Was aber sehr wohl mit den Thatsachen bestehen kann,ist die Annahme, dass alle jene Wirkungen der Constellationeinfacher Empfindungen auf mechanischen Bedingungenberuhen, die wir bei hinlänglichem Fortschritt der Phy-siologie noch zu entdecken vermöchten. Die Empfindung unddamit das ganze geistige Dasein kann immer noch das in jeder Se-kunde wechselnde Resultat des Zusammenwirkens unendlich vielerunendlich mannigfach verbundner Elementarthätigkeiten sein, die ansich lokalisirt sein mögen, etwa wie die Pfeifen einer Orgel lokalisirtsind, aber nicht ihre Melodieen.
Wir schreiten nun mitten durch die Consequenz dieses Materia-lismus hindurch, indem wir bemerken, dass derselbe Mechanismus,welcher sonach unsre sämmtlichen Empfindungen hervorbringt, jeden-falls auch unsre Vorstellung von der Materie erzeugt. Erhat hier aber keine Bürgschaft bereit für einen besondren Grad vonObjektivität. Die Materie im Ganzen kann so gut bloss ein Produktmeiner Organisation sein — muss es sogar sein — wie die Farbeoder wie irgend eine durch Contrasterscheinungen hervorgebrachteModifikation der Farbe.
Hier sieht man nun auch, warum es gänzlich gleichgültig ist,ob man von einer geistigen oder physischen Organisation redet, wes-halb wir so oft den neutralen Ausdruck brauchen durften; denn jedephysische Organisation, und wenn ich sie unter dem Mikroskop sehenoder mit dem Messer vorzeigen kann, ist eben doch nur meine Vor-
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