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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.

Stellung und kann sich in ihrem Wesen nicht von dem, was ich sonstgeistig nenne, unterscheiden.

Zur Zeit Kant’s lag die Erkenntniss der Abhängigkeit unsrerWelt von unsern Organen allgemein in der Luft. Man hatte denIdealismus des Bischofs Berkley nie recht verwinden können; alleinwichtiger und einflussreicher wurde der Idealismus der Naturforscherund Mathematiker. D’Alembert zweifelte entschieden an der Er-kennbarkeit der wahren Objekte; Lichtenberg, der Kant’s Systemgern widersprach, weil sich seine Natur gegen jeden, auch den ver-stecktesten Dogmatismus sträubte, hatte den einen Punkt, um denes sich hier handelt, selbständig und unabhängig von Kant klarererfasst, als irgend ein Nachfolger des letzteren. Er, der bei allseinem Philosophiren nie den Physiker verleugnete, erklärt es fürunmöglich, den Idealismus zu widerlegen. Aeussere Gegenstände zuerkennen sei ein Widerspruch; es sei dem Menschen unmöglich aussich heraus zu gehen. „Wenn wir glauben, wir sähen Gegenstände,so sehen wir bloss uns. Wir können von Nichts in der Welt Etwaseigentlich erkennen, als uns selbst und die Veränderungen, die inuns Vorgehen.“ „Wenn etwas auf uns wirkt, so hängt die Wirkungnicht allein von dem wirkenden Dinge ab, sondern auch von dem,auf welches gewirkt wird.“

Ohne Zweifel wäre grade Lichtenberg im Stande gewesen, unsauch die Mittelglieder zwischen diesen spekulativen Gedanken undden gewöhnlichen physikalischen Theorieen darzulegen; allein er fanddazu, wie zu so vielem andern weder Zeit noch Neigung. Erst ge-raume Zeit nach Kant geschah in dieser Beziehung in Deutschlandder erste Schritt, und so scharf hier auch das Richtige auf der einenund der Irrthum auf der andern Seite liegt, so vermag doch noch heutedie stumpfsinnige Tradition den trivialsten Irrtlium mit der Gloriedes Empirismus zu verklären, während eine faktische Bemerkung,die so einfach und bedeutungsvoll ist, wie das Ei des Columbus, alsmüssige Spekulation verkannt wird. Es handelt sich um die Theorieder Versetzung der Objekte nach Aussen in Verbindung mitdem berüchtigten Problem des Aufrechtsehens.

Johannes Müller war es, der die wahre Lösung dieses Pro-blems zuerst, wenn auch noch nicht mit völliger Consequenz aus-sprach, indem er darauf hinwies, dass das Bild des eigenen Körpersja durchaus unter, denselben Verhältnissen erblickt wird, wie die Bil-der der Aussendinge.