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Zweites Buch. Zweiter Abschnitt.
psychischen Gebilde in unserm eignen Bewusstsein, glaubt Ueberweg,vermöchten wir genau so zu erkennen, wie es ist. Da nun unsreinnere Erfahrung zeitlich verläuft, so hält er die Wirklichkeit derZeit für erwiesen. Die Zeitordnung setzt aber die Gesetze der Mathe-matik voraus und diese setzen den Raum von den drei Dimensionenvoraus, womit der Gang des Beweises abschliesst.
Abgesehen davon, dass der Fundamentalsatz wenigstens hin-sichtlich der Reproduktion gerechten Bedenken unterliegt, scheint mirein ganz bestimmter Fehler darin zu liegen, dass die Realität derZeit in uns auf die Realität der Zeit ausser uns übertragen wird.In uns hat nicht nur die Zeit Realität, sondern auch der Raum,ohne dass dazu eine Vermittlung durch den Zusammenhang der .ma-thematischen Gesetze nötliig wäre. Nun müssen wir allerdings ausdem Zusammenhang der Dinge in uns mit Nothwendigkeit auf einencorrespondirendeu Zusammenhang der Dinge ausser uns schliessen;allein dieser Zusammenhang braucht eben keineswegs Uebereinstim-mung zu sein. Wie sich die Vibrationen der berechneten Erschei-nungswelt zu den Farben der unmittelbar gesehenen verhalten, sokönnte sich auch eine für uns ganz unfassbare Ordnung der Dingezu der räumlich-zeitlichen Ordnung verhalten, die in unsern Wahr-nehmungen herrscht.
Sonne, Mond und Sterne sammt ihren regelmässigen Bewegungenund sammt dem ganzen Universum sind ja nach Uebenvegs eignergenialer Bemerkung nicht nach Aussen reflektirte Bilder, sondernElemente, gleichsam Theile unsres Innern. Wenn Ueberweg sagt, sieseien Bilder in unserm Gehirn, so darf man dabei nicht vergessen,dass unser Gehirn auch nur ein Bild oder die Abstraktion einesBildes ist, nach den Gesetzen entstanden, welche unser Vorstellenbeherrschen. Es ist ganz in der Ordnung, wenn man zur Verein-fachung der wissenschaftlichen Reflexion in der Regel bei diesemBilde stehen bleibt; allein man darf nie vergessen, dass man damitnur eine Relation zwischen den übrigen Vorstellungen und der Gehirn-vorstellung hat, aber keinen festen Punkt ausserhalb dieses subjekti-ven Gebietes. Es lässt sich über diesen Kreis durchaus nicht andershinauskommen, als durch Vermuthungen, die sich denn auch dengewöhnlichen Regeln der Logik des Wahrscheinlichen unterwerfenmüssen.
Nun sehen wir schon, wie gross der Unterschied zwischen einemunmittelbar gesehenen Objekt und einem nach den Lehren der Phy-