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Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart / von Friedrich Albert Lange
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525
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Der ethische Materialismus und die Religion.

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Hellenen und Barbaren, Herren und Sklaven, der Gegensatz sich schärft.Die Gemeinschaft, in deren Interessen der Einzelne aufgeht, schliesstsich nach Aussen mit allen Kennzeichen des Egoismus ab und be-fördert so ihren Sturz durch die unvollkommne Durchführung desselbenPrincips, welchem sie in ihrem Innern die höhere sittliche Cultur ver-dankt. Ein zweiter Grund ist der bereits berührte, dass sich nämlichinnerhalb der gemeinsam fortschreitenden Gesellschaft Unterschiedeherausbilden, die allmählig immer grösser werden, wodurch die Be-rührungspunkte schwinden, das Verständniss des Andern abnimmt unddamit der wichtigste Quell der bindenden Sympathie verloren geht.Es bilden sich dann aus der ursprünglich gleichförmigen Masse be-vorzugte Klassen heraus, aber auch unter sich gewinnen diese keinenrechten Zusammenhang, und indem die Anhäufung von Reichtlnimernbisher unbekannte Genüsse schafft, entsteht ein neuer, raffinirter Egois-mus, der schlimmer ist, als der ursprüngliche. So im alten Romzur Zeit der Latifundien, da der Ackerbau von den Parkanlagen derReichen verdrängt wurde, und halbe Provinzen einzelnen Personengehörten.

Solche Zustände sind ursprünglich von Niemanden beabsichtigt,auch nicht von den Stärkeren und Reicheren, so lange die Unter-schiede mässig sind. Sie entstehen unter dem Einfluss des Rechts-schutzes, der ursprünglich den entgegengesetzten Zweck hat, näm-lich der Gleichheit und Gerechtigkeit zu dienen und nach dem Principdes Privateigenthums Jedem das Seine zu wahren. Sie entstehenferner unter dem ungestörten Fortgang des bürgerlichen Ver-kehrs, welcher mit der Bändigung des roheren Egoismus sich erstrecht entfalten kann. Auch ohne den Egoismus zum Princip zu er-heben, hat man doch zu allen Zeiten durch die Einrichtung desEigenthums und die geregelte Uebertragung desselben die ersteOrdnung in die Gesellschaft gebracht, sofern diese nicht noch aufden Ueberlieferungen der Gewalt beruhte, auf dem Gegensatz vonHerren und Knechten, was wir hier ausser Acht lassen. Gradediese Einrichtungen aber: Eigenthum, Rechtsschutz, Verer-bung u. s. w., welche aus der Milderung der Sitten hervorgehen undden Blüthezustand der Völker herbeiführen, schützen zugleich daswuchernde Uebel der Besitz-Ungleichheit, welches, bei einer ge-wissen Höhe angelangt, stärker wird als alle Gegengewichte und dieNation unfehlbar zu Grunde richtet. Dies Spiel wiederholt sich unterden verschiedensten Formen. Eine moralisch schwächere Nation er-