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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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ausgeführt worden. Zu den gelungensten Gemälden und Stichen rechnet Lengnich die von Schulz,Jerm. Falck und Arwed Karsteen, denen Westphal zwei kleine Bleistiftzeichnungen auf Pergament vonThiel, Höwelcke und seine zweite Gattin abbildend, an die Seite setzt.

Lengnich bedauert S. 49 seiner Schrift, daß das Grab des großen Mannes noch kein Monumentschmückt. Nicht lange nach dem Erscheinen seines Werkchens wurde 1781 auch dafür durch den Kriegs-rath Gottlob Dawison, einen Enkel der oben erwähnten Julia Renata Sorge getragen.*) Auchschenkte König Stanislaus Poniatowski 1790 der Stadt einen Bronceabguß der Büste Höwelckes, die erschon früher in einem der königl. Schlösser in Warschau hatte aufstellen lassen.**) Die Stadtbibliothekbewahrt außerdem noch zwei vom Kaufmann Simpson vor längerer Zeit geschenkte Marmorbüsten-welckens und seiner zweiten Gattin auf.***)

Wenn hier durch Marmor und Erz das Andenken Höwelckes bei der Nachwelt auf Jahrhundertehinaus gesichert worden ist, so suchte man aber auch von Zeit zu Zeit sein Verdienst durch das lebendigeWort der Rede der Vergessenheit zu entreißen. Dies geschah zunächst am Jahrestage des Todes 1688durch ein von Christ. Kirchmaier gehaltenes Ehrengedächtniß, zu dem das Programm der berühmte Schurz-fleisch geschrieben hatte. 1) Im vorigen Jahrhunderte suchte Herr von Waasberghe in der Standredebeim Begräbniß der Madame Lange sein Andenken aufzufrischen. 11) Ganz besonders eindringlich wurdeaber Danzigs Bürgerschaft au den Glanz, den Höwelcke einst über ihre Stadt ausgestrahlt hatte, bei derhundertjährigen Gedächtnißfeier seines Todes erinnert. 111) Auch bei der feierlichen Uebernahme dererwähnten Broncebüste vergegenwärtigte man sich lebhaft in Rede und Gegenrede, was Höwelcke einst derWelt gegolten hatte. Was das 19. Jahrhundert thun wird, ob es verwirklichen wird, was Bernoulli vornun 85 Jahren schon für selbst verständlich hielt, wenn er in seinem Reisewerke S. 234 sagt:DemManne hätte eine Bildsäule gehört*, muß abgewartet werden. Bereits beschäftigt man sich wenigstens inDanzig , wie Professor Brandstäter versichert, mit der Idee, dem Manne, der einst nicht wenig den Rufseiner Vaterstadt erhöhte, auf einem öffentlichen Platze eine colossale Broncebüste auf entsprechendemPiedestale zu errichten.

Unserm Höwelcke ist nach diesen allen ein seltenes glückliches Loos beschieden gewesen. Was derMensch sich auf Erden nur wünschen kann, Gesundheit an Leib und Seele, eine mehr als gewöhnlicheLebenslänge, Wohlstand,1111) Glück und Gedeihen in seinen Geschäften, häusliches und Familienglück, Ach-tung und Liebe von nahen und fernen Freunden, ehrenvolle bürgerliche Stellung, Auszeichnung jeder Art,

*) Dasselbe besteht aus einer Pyramide, die sich an einen Pfeiler lehnt, und ein ovales Medaillen mit H. Brustbildeträgt. Das Material ist blankenburgscher und cararischer Marmor. Ausführlich beschrieben und abgebildet in BernoullisSammlung kurzer Reisebeschreibungen.

**) Genau beschrieben in: Voigt. Magazin 1790, 7. Band N. 3. Nach Brandstäter befindet sie sich gegenwärtig im Besitzder naturforschenden Gesellschaft in Danzig .

***) Ist die Büste der Gattin Höwelckes naturgetreu, so dürfte auch die Abbildung derselben in Naobiua 6ool. IPortaitähnlichkeit haben. Privatmittheilung.

Die Bleistiftzeichnungen auf Pergament sind nicht mehr aufzufinden.

si) Darin heißt es unter andern: Uniloiu (6o,Iamim) «uücoxit et lovit blovolium, altorum saeculi nostri ktolo-wnoum er exaotiHmum ziost bominos nstvs coeli teernogue mouöorem. Lengnich.

II) Sie starb 79 Jahr alt 1745.

III) Die Festfeier wurde mit einer längeren Gedächtnißrede, gehalten von Ephr. Philipp Blech, eröffnet. Bald nach12 Uhr nahm das Festmahl seinen Anfang und wurde bis gegen Abend ausgedehnt. Jetzt, bei einbrechender Dunkelheit wurdeDanzigs Einwohnerschaft, der vielleicht der eigentliche Festact entgangen war, durch die glänzende Illumination der Höwelcksche»Häuser aui die Bedeutsamkeit des Tages hingewiesen. Mehrere Bürger hatten unaufgefordert ebenfalls ihre Wohnungen festlicherleuchtet. Gegen 10 Uhr versammelten sich die Festgenossen nochmals zu einem Zwcckcssen und beschlossen damit den Festtag.Westphal.

1111) Höwelcke war unstreitig ein sehr wohlhabender Mann, ungeachtet er den elterlichen Nachlaß mit 5 Schwestern zu

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