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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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Die Nichtigkeit des von den Philosophen des Alterthums construirten Weltsystems war vonOopornious und Oaliloo nachgewiesen worden; gleichwohl suchten die Aristoteliker und auch die Kirchenoch immer den morschen Bau zu stützen.

Keppler hat die Kreise und Epicykel, die Loxormous noch stehen gelassen, verbannt und dieEllipse als Bahnlinie der Planeten eingeführt, die festen Sphären der Fixsterne zertrümmert und diesenihren Platz weit hinten im Welträume angewiesen; aber noch stehen sie in Reih und Glied, denn sie inweitern und immer weitem Bahnen im Weltraum sich bewegen zu lassen, das dünkt dem kühnsten Flugeseiner Phantasie doch zu vermessen.

Das Fernrohr ist erfunden; Unerhörtes ist durch dasselbe bereits entdeckt. MariuS hat denersten Nebelfleck, den Andromedanebel beschrieben; einige Sternhaufen sind in eine Menge kleineSterne aufgelöst worden und die Milchstraße hält man bereits für eine Anhäufung unendlich kleinerSterne. D^oko cko Drako, Roth mann, Byrg haben weit mehr Sterne gezählt und besser catalogisirt,als der alte Hipparch . Beyer hat die ersten guten Sternkarten geliefert. Die Parallaxen der Sonneund der Planeten sind kleiner gefunden worden, als von den früheren Sternkundigen; darum hat dasSonnensystem an Ausdehnung gewonnen. Die scheinbaren Durchmesser dieser Himmelskörper sindgenauer gemessen worden; darum hat nnn von ihren wahren Größenverhältnissen ganz andere Borstellungenals das Alterthum hatte. OaKIoo und Scheiner haben Flecken auf der Sonnenscheibe entdeckt undaus ihnen auf eine Rotation der Sonne geschlossen; Scheiner hat in seiner Rosa Drsina diese Fleckenabgebildet und beschrieben. An Merkur und Venus hat man Phasen, ähnlich denen am Mondebemerkt. Mars zeigt bald die volle, bald blos die halbe Scheibe. Auf dem Jupiter hat man Flecken,wie Wolken, entdeckt und 4 kleine Sternchen umkreisen ihn. Saturn endlich ist bald einfach, baldtorgominus. Keppler hat bereits den Vorübergang des Merkur und der Venus vor der Sonnen-scheibe aus Jahr und Tag vorausberechnet. Die hellen Flecken auf dem Monde hat Oakloo für Bergeerkannt und versucht, sie zu messen. Die Cometen schließlich läßt Mästlin in Kreisen, sein SchülerKeppler aber in geraden Linien sich bewegen. Den alten aristotelischen Wahn, daß sie in der Erd-atmosphäre ihren Ursprung hätten, hat D^oko Uo Drako durch Parallaxenbestimmung beseitigt. Ueber ihrephysische Beschaffenheit ist man aber noch ganz im Unklaren.

Die Physik ist durch Galileo durch die Auffindung der Gesetze der Pendelschwingungen,durch Keppler in den optischen Fächern wesentlich bereichert worden.

Zur Erleichterung der astronomischen Rechnungen sind von verschiedenen Mathematikern *) Sonnen-,Mond- und Planetentafeln berechnet und der Calcul ist durch Sinustafeln und die Einführung derLogarithmen bedeutend abgekürzt worden.

In der beobachtenden Astronomie aber hat D^oko cko Drako durch seine Instrumente und seineMethoden alles, was bisher gegolten, weit übertroffen.

Hiernach hatte Hevelius, wenn er die Wissenschaft fördern wollte, gewiß keine leichte Aufgabe zulösen, da er alles Vorgefundene prüfen und das nicht Stichhaltige verbessern mußte. Vor allem abermußte er, da er in der unmittelbaren Beobachtung den Ausgangspunkt aller weitern Untersuchungenerkannt hatte,**) D^oko cko Drako wo möglich zu übertreffen suchen.

Bevor wir dem Gange seiner Beobachtungen folgen, müssen wir uns nothwendigerweise mit seinemastronomischen Apparate bekannt machen, da von dessen Beschaffenheit zum großen Theil der Werth derBeoachtungen abhängt. ***)

*) Unter andern von Reinhold, Keppler, sandberg, Eichstadt.

**) Kon prolixis NisxntnNonUnis, »ud «peciusiL rntioeinntionikus, se<I oksvrvntioniNus aslroiioinia lnndntn nkgueexenltn, suognv »empöre inngis inn^iügue exnrneinln et pvi-sieieniln e«t. II. ercnris in 8»>e visns.

***) Außer Instrumenten zu genauen Messungen von Winkeln und Uhren oder Instrumente», die Ieitintervallen