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Programm des Gymnasiums und der Realschule in Zittau : womit zu den am 14., 16., und 17. März d.J. im Zeichensaale der Anstalten abzuhaltenden Prüfungen ergebenst einladet Heinrich Julius Kämmel ; 1. Johannes Hevelius. Ein Beitrag zur Geschichte der Astronomie des 17. Jahrhunderts vom Gymnasiallehrer G.A. Seidemann. 2. Jahresbericht des Directors
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Hevelius besaß im Anfange seiner astronomischen Studien nur kleine messingene Quadrantenund Sextanten von 12 Fuß Rhadius,* *) einige Räder- und Federuhren, mit denen er aber wenig zufriedenwar und größere von ihm selbst genau construirte Sonnenuhren, außerdem noch einige kleine ebenfallsselbst gefertigte Fernröhre von 612" Focallänge. Von 1639 bis 1641 stellte er diese Instrumente da auf,wo sich eben der geeignetste Platz für die bezügliche Beobachtung fand. In dem letztgenannten Jahrerichtete er sich aber im obersten Stockwerke eines seiner Hintergebäude ein eigenes Observationszimmerein, und ließ nun nach seiner Angabe größere Instrumente ebenfalls von Metall (Messing und Eisen)anfertigen einen Quadranten und Sextanten von je 3 Fuß Rhadius und einen Sextanten von 4 Fuß R.An dem Quadranten, dessen Limbus unmittelbar zwar nur in ganze und halbe Grade getheilt war, konnteer doch vermittels Transversalen einzelne Minuten ablesen und an den beiden Sextanten je 4 Minuten.

Indeß diese Instrumente genügten ihm bald nicht mehr und da er meinte, daß genaue Eintheilungnur bei sehr großen Bögen zu ermöglichen wäre, wollte er nun nach dem Muster der Tychonischen dergleichenherzustellen suchen. Allein dazu gehörte viel Zeit, auch waren die geeigneten Arbeitskräfte damals inDanzig nicht zu erlangen. Glücklicherweise erfuhr er, daß ein großer unvollendeter Azimuthalquadrantunter altem Eisen in dem Zeughause läge. Er erbat sich denselben 1644 von dem Rathe und erhielt ihnauch. Durch einen geschickten Künstler ließ er ihn vollends ausarbeiten und in einem eigens dazu überdem Dache des erwähnten Hintergebäudes erbauten thurmähnlichen Häuschen 1645 aufstellen. DerQuadrant hatte 5 F. 9k., der Azimuthalkreis 4 F. Hevelius hielt dieses sehr elegant ausgestattete In-strument lange Zeit für sein bestes und benutzte es besonders zum Höhenmessen im Meridian.**) Außerdiesem Quadranten besaß er noch einen nach seiner Angabe aus Eichenholz gefertigten Horizontal-qnadranteu von 6 F. 9k.***) Der Limbus war mit Messing belegt, die Alhidade und die Pinnacidienmassiv aus Messing gearbeitet. Dieses Instrument hatte seinen Platz in dem erwähnten Zimmer und waran einer starken cylindrischen Säule befestigt, mit welcher es leicht nach jeder beliebigen Richtung gewendetwerden konnte.

In eben diesen großen Dimensionen ließ er nun auch aus Eichenholz einen Sextanten von 6 F.9k. und einen Octanten von 8 F. N. anfertigen. Limbus, Alhidade und Diopter waren von Messing.An beiden Instrumenten beobachteten immer zwei Personen gleichzeitig. 1) Für so viele und so großeInstrumente reichte nun aber jenes Zimmer nicht mehr aus, daher entschloß er sich 1650 zum Aufbaueiner förmlichen Sternwarte.

Seine drei Hauptgebäude hatten ziemlich gleiche Firstenhöhe. Ueber diese hinweg ließ er aufeinem soliden Unterbaue eine Plattform in Gestalt eines Rechteckes von 1250 Flächeuranm aufführen.Die vier Seiten waren genau orientirt. Auf der Nordseite waren zwei Häuschen errichtet. Daseine ließ sich leicht um seine Achse drehen und konnte erforderlichenfalls als Omern vdsourn. dienen. Eswar zur Aufnahme des Sextanten und Octanten bestimmt. In dem andern wurden kleinere oft gebrauchteApparate auibewahrt und die Uhren aufgestellt, auch brachte hier der Beobachter die vorläufigen Notizenüber die erhaltenen Resultate zu Papiere. An diese Plattform schloß sich noch eine kleine, niedriger gelegenean, auf welcher ein zweites Drehhänschen stand, in dem der Horizontalquadrant seine Stelle erhielt. 11)

scharf bestimm«! zu können, bedurfte der Astronom zu der Zeit, da Hevelius auftrat, namentlich noch der um das Jahr iec >9erfundenen Teleskope.

*) Armillen, Astrolabien, Zodiacal-Armillen parallaktische Instrumente benutzte er wegen ihrer Nnzuverlässigkeit nicht.

") Genau beschrieben in Llal-Iii,,» 6uol. '0. I. s>. 148182 und durch 2 Abbildungen illnstrirt.

***) So genannt, weil der eine Schenkel stets in genau wagrechter Lage erhalten wurde, wahrend der andere dievertikale einnahm.

I) Sextant und Sctant abgebildet und beschrieben in dlnobm» 6c>el. 'I. I S. i2.i ff.

II) Bet Anlegung dieser Sternwarte folgte Hevelius, soweit es die örtlichen Verhältnisse erlaubten, der damals Herr-