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In dem »bersten Stockwerke jener Gebäude befand sich die Kupferdruckerei. Diese mit sehr großem Kosten-aufwande errichtete Sternwarte nannte er nach D^elio äs Lrabss Vorgänge seine Uranien bürg oderauch Sternenburg.* *)
Auch mit dieser zweiten Gruppe von Instrumenten arbeitete He Velins nur wenige Jahre. Esstellte sich nämlich mit der Zeit heraus, daß sie sich leider gezogen und geworfen hatten, so daß Beobach-tungsfehler von mehreren Minuten sich bemerkbar machten. Er entschloß sich daher, sie sämmtlich durchganz aus Metall gefertigte zu ersetzen. Anfangs zwar fürchtete er, daß ihr großes Gewicht der Beweglich-keit Eintrag thun würde; allein er hoffte dem durch Anwendung mechanischer Hülfsmittel zu begegnen;und es gelang. Er konnte beispielsweise eine Last von 800 Pfund ganz leicht mit einem Finger in Be-wegung setzen. Der neue Horizontalquadrant erhielt einen Rhadius von 6'/2 F- Er kam für immer inden zweiten Drehpavillon zu stehen. Durch Transversalen konnte man auf dem Limbus unmittelbar ein-zelne Minuten ablesen, durch Anwendung des Vernier aber, im Verhältniß von getheilt, erhielt mandie Theilung von 5 zu 5 Sekunden und durch eine an der Alhidade angebrachte Mikrometerschraube selbsteinzelne Sekunden.**)
Der neue Sextant von 6 F. R. war sehr genau und solid gearbeitet und konnte neben der Be-wegung am Stativ durch eine Aufhängung in Seilen, die über Rollen liefen, und durch Gewichte leichtin jede beliebige Richtung gebracht und darin erhalten werden. Er diente ebensowohl zur Abnahme vonZenithabständen als zur Messung jeder andern Sterndistanz. Die Theilung war bis auf je 5 Sekundenbrauchbar.***)
Dem neuen Octanten gab er einen Rhadius von nahe 9 F. f) Beide Instrumente wurden in demDrehhäuschen auf der großen Plattform aufgestellt, so jedocb, daß, wenn der eine gebraucht wurde, -ver-ändere indeß vom Stativ entfernt ward. Erst 1659 waren diese drei Instrumente vollendet. Nach demMuster des großen Sextanten ließ er noch einen kleineren transportabel!: anfertigen.ff)
In dem Grade, wie Hevelius seine Raummeßinstrumente vervollkommnete, sah er sich in seinenArbeiten durch die Unvollkommenheit seiner Uhren gestört. Am meisten konnte er sich noch auf seine großein Minuten getheilte Sonnenuhr verlassen; nur war die Correctur wegen der Refraktion sehr lästig.Da kamen ihm 1640 die Dialogen des (lnlilsa Oalilsi zu Gesicht, aus denen er die Gesetze der Pendel-schwingungen kennen lernte. Dadurch kam er auf den Gedanken die Pendelschwingungen als Zeitmaßanzuwenden.
schenken Ansicht, daß die erste Bedingung eines zweckmäßig angelegten Observatoriums ein nach allen Seiten, besonders aber nachSüden hin ganz unbeschränkter Horizont sein muffe, den man am einfachsten von einem hochgelegenen Standpunkt auS erhaltenkonnte. Die Jetztzeit geht bekanntlich von ziemlich abweichenden Grundsätzen aus. Man sehe unter andern C- L- v. Littrow.Deutschlands vorzüglichste Sternwarten. Wien 1848.
*) Ausführlich beschrieben und abgebildet in Nnebiun 6vel. D. I x. 440 ff.
*") Llnclüna 0»el. 1. I >>. 183. ff.
Zur genauen Einstellung des seinen Schenkels in die Horizontalebene hatte H. ein Qnccksilberniveau an demselbenbefestigt welches aus einer Glasröhre von der Länge des Schenkels bestand die in 2 Glaskugeln endigte, an welchen vermittelszweier Striche der normale oder abnorme Stand des Quecksilbers beobachtet werden konnte.
"*) Die ganze Struktur dieses Instruments, das er in jeder Beziehung für sein bestes erklärt, und mit dem er, wie er-jagt, mehrere Tausend Sternabstände gemessen hat, ist wie der Drehpavillon genau abgebildet und beschrieben a. a. O. S. 222 ff.
Dir Correctionömethode für dies Instrument, welche eine verbesserte Tvchonische war, ist ini I?>o«!>o>n. ^stro»omi»op. >7 ff. mitgetheilt.
t) Nm die Last zu vermindern, waren die Schenkel fast um die Hälfte verkürzt und stützten sich an den mittlerenRhadius, der an seinem Ende 2 kurze Cylinder als Absehen trug. Die Alhidade war durch eine verschiebbare Dioptervorrichtungersetzt. Llaebiu» I, S. 253 ff.
-sch) Den Mauer-quadranten, der auf den Sternwarten bekanntlich noch zu Anfange dieses Jahrhunderts für unent-behrlich galt, hat Hevelius auf seiner Sternwarte nicht.