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Später werde ich es zur Erörterung bringen, daßes nicht die Absicht des Schöpfers seyn konnte, daß dieOberfläche der Erde im Urzustände verbleibe und dieGestaltung beybehalte, die er ihr gab, als auf seinenWink die todte, chaotische Masse vom göttlichen Feuerdes Lebens durchdrungen, den ewigen Gesetzen seinerAllmacht gehorchte; oder daß der Mensch in stcterKindheitnie die Kräfte versuche, womit ein hoher Wille ihn begabthat: eben so wenig, als daß diese herrlichen Waldungen,der Erde hohe Zier, erhabene Hallen, zu allen Zeitenvon allen Völkern zum Tempel der Liebe lind Religionauserkohren, von der Erde verschwinden sollten.
Sie, die liebende Mutter Natur, die seit Myriaden,mit gleich reger, zärtlicher Sorgfalt die Erhaltung ihrerKinder bewacht und nur dann der Zerstörung Raum läßt,wenn sie ein schöneres Leben hervorruft, sollte unzähligeGattungen großer Vegetabilien, die Waldbäume, derendie Erde schmückende Pracht vielleicht nur von des Ueber-flusses HMe, den sie über den Boden ausschütten, über-treffen nssisdz'mit dieser Mannichfaltigkeit an Schönheitund Reichthum ausgestaltet haben, um sie ohne Ersatzzu vertilgen?
Nein, die herrliche Zeder, welche den Schnee Libanonsküßt, deren wagerechtes Gefieder sich wie des AdlersSchwingen, der in ihr horstet, kraftvoll verbreitet unddem unter ihr wüthenden Sturme unerreichbar ist; dieSchaaren von Tannen und Ficbten, die in kalten, un-wirthlicl-en Regionen den Menschen durch das nie welkendeGrün ihkes warmen Mantels erfreuen, die hohe, schlankeLerche, den Laub- und Nadelhölzern gleich verwandt,deren frühe Betäubung unter des jungen Lenzes ver-schwenderischen Reizen so sehr dem Angc gefällt, endlich