Buch 
Die Grenze zwischen der Feld- und Waldkultur, in besonderer Beziehung auf die Länder des linken Rhein-Ufers, binnen dem Rheine, der Saar, Mosel und Aar : geschrieben für Freunde der Natur und des Waldes / von Ludwig Lintz
Entstehung
Seite
18
JPEG-Download
 

18

welche jeden Schritt der Betriebsamkeit, jede Wahrneh-mung der menschlichen Kunst als eine Entwürdigungihrer jungfräulichen Reize, jede Kultivirung des Erd-bodens als eine Degradation, als eine Entheiligung derSchöpfung ansehen. Die Ansicht dieser Apologisten derrohen Natur und ihrer Bewohner, werden an sich schondurch die Betrachtung widerlegt, daß unstreitig die höchsteBestimmung des Menschen, die möglichst harmonischeEntwickelung seiner Kräfte ist!

Wie aber eine Entwickelung dieser Fähigkeiten denk-bar, wenn in Kindheit sie ewig schlummern und nichtzur Ausbildung angeregt werden; wie hätte der isolirteMensch die Stufe der Kultur und der Erkenntniß, wowir ihn sehen, ersteigen können, wenn nicht er amMenschen sich gebildet, nickt die Noth die Kunst geweckt,besonnene Kraft sich gcwaltthätigcr Leidenschaft entgegen-gesetzt hatte? Nur durch den mächtigen Einfluß desgesellschaftlichen Vereines konnte Natur zur Kunst, derthierische Instinkt zur Wissenschaft erhoben, veredelt wer-den : Pan mag sich an den kindischen Spielen der rohenHirten ergötzen, aber den Musen und ihren lieblichenGefährtinnen, den Charitinnen, wird nur in erhabenerHalle geopfert, und die ernste Wissenschaft, die späte,aber göttliche Frucht des Nachdenkens, reift nur in derSonne des Geistes, von großen Erfahrungen befruchtet.

Sie, Jupiters erhabene Tochter, schuf den OelbauM,mit ihm den Ackerbau, sie verdient es daher, als dirSckutzgöttin der Stadt, verehrt zu werden, wo Kunstund Wissenschaft stets einer sichern Freystälte gewiß wäre»-

Mit Recht betrachteten die Alten Bachus und Ceresals die ersten Gesetzgeber der Menschheit; denn die Fort"Pflanzung dcrFrüchte, die sie derErde schenkten, nöthigt"*