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erlaubt seyn, auf sie einige Ansichten zu stützen; denenich aber keinen andern Werth beylege, als den, daß siedazu aufmuntern mögen, sie unter günstigern Umständenin der Erfahrung zu prüfen; wobey unsre Kenntniß injedem Falle nur gewinnen kann.
Glücklich der Forstmann, dem, ausgestattet mit Wissenund Erfahrung, die von einem solche» Unternehmen ebenso unzertrennlich seyn müßten, wie das gewissenhaftesteBeobachten; es gegönnt seyn wird, den Zuwachs derHolzgattungen unter sich und auf gleichen Flächen inverschiedenen Zonen, unter verschiedenartigen Verhält-nissen des Bodens und des Standes zu untersuchen undzu vergleichen; er wird, indem eine mühevolle, aus-dauernde Forschung ihm in ihren Resultaten den schönstenGenuß bereitet, der Wissenschaft wesentliche Dienste leisten!
L. Der Boden.
Seit den schönen Erfahrungen von Boyle *) undHales, ist man von der frühern irrigen Meynung zurück-gekommen, als nährten sich die Pflanzen nur von Erde;welche Meynung zwar schon früher in Betreff der Wasser-Gewächse sichtbar durch das Erziehen von Zwiebclblumenin Wassergefäßen, widerlegt war. Die vegetabilischePhysiologie bewieß, daß Luft und Wasser den größer«Theil ihres Nahru ngsstoffrs liefern; welcher Satz, durchdie Versuche von Hales über das Einsangen und Aus-dünsten der Gewächse, außer allen Zweifel gesetzt wordenist. Dieser Grundsatz widerspricht jedoch keineswegs der
*) Boyle bewieß, mittelst genauer Abwiegung eines Weiden-zweiges und der Erde, worinn er ihn gesteckt hatte, daß,nachdem er in fünf Jahren 165 Pfund zugenommen, dieErde nur zwey Unzen an Gewicht verlohren hatte.