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läßt, welche Mischung aber die Erkennung der Eigen»schaften des Bodens als Medium, als Recipicnt, wieer als solcher an dem Vegetations-Processe Theil nimmt,schwieriger macht.
Vorhin sagte ich, daß der Humus oder die Dammerdeznr Vegetation überhaupt unentbehrlich sey, welches dieErfahrung uns zeigt, wenn gleich nicht nur der ebencitirtc Versuch Boyles, sondern auch ein üppiger Pflan-zenwuchs, den wir nicht selten auf einem Boden, derkaum eine Spur von Dammerde entbält, anstaunen *),den geringen Beytrag der Erde zur Vegetation offenbaranzeigt: dieser scheinbare Widerspruch verschwindet beyeiner nähern Betrachtung.
So wie nämlich der Haupt-Charakter eines Gesteines,der seiner kristallinischcn Form, selten durch die vorwal-tende Masse der integrirenden Theile, ja zuweilen nurdurch ein Atome bestimmt wird **); eben so darf dieWichtigkeit des Einflusses der Dammerde auf das Wachs-thum nicht nach ihrer Quantität, die oft sehr unbedeutendist, bemessen werden.
Diese Idee führt uns zu dem interessanten, sich inErfahrung bewährenden Satze, der bey einer aufzustel-lenden Diagnose der Wald - und Feldkultur nicht unbe-achtet werden darf; daß letztere zu ihrem vollkommnenGedeihen weit mehr Dammerde, als erstere bedarf; dieser
*) Der Sandboden der Vogesen in hiesiger Gegend, so wieder von Pirmaftnz, z. B. im Rothalber Forste, noch mehrder hiesige Schieferthon - Boden jm Steinkohlen-Flohe,der die schönsten Waldungen erzeugt — entblößt vonDammerde - beweisen das Gesagte.
**) So wie z. B. der Saphir wahrscheinlich nur dnrch denkleinen, aber doch nicht zufällig mit der Thonerde chemischverbundenen Antheil an Listnoxid charaktcrisirt wird.