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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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I. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Kohlenstoffs.

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woraus besteht die Pflanze? Auf den ersten Blick unter-scheiden wir zwar eine fast unendliche Reihe von Pflanzenstoffenwie z. B. Holzfaser, Zucker, Stärkemehl, Kleber, Gummi,Harze, fette und flüchtige Oele, verschiedene pflanzliche Säuren,Gerbstoffe, Bitterstoffe, Pflanzengifte u. s. w., allein die chemi-schen Untersuchungen haben ergeben, daß diesenäheren Bestand-theile" alle noch weiter zerlegbar und in letzter Linie aus sehrwenigen Grundstoffen zusammengesetzt sind. Die verbrennlicheSubstanz aller Pflanzen ist nämlich nur eine verschiedenartigcombinirte chemische Verbindung von Kohlenstoff, Wasserstoff,Sauerstoff und öfters auch Stickstoff; die unverbrennlichenBestandtheile, welche als Asche bei dem Verbrennungsprozeßzurückbleiben, sind aus den Grundstoffen Kalium, Natrium,Calcium, Magnesium, Eisen, Schwefel, Phosphor, Silicium undChlor gebildet.

Alle diese Grundstoffe (vielleicht mit Ausnahme von Natriumund Sicilium) müssen vollzählig in dem Ernährungsbereicheder Pflanze vorhanden und zwar in aufnehmbarer Formd. h. entweder in gasförmigen Verbindungen oder in wässerigenLösungen, geboten sein; das gänzliche Fehlen eines einzigen der-selben verhindert sofort den normalen Ernährungsprozeß derPflanze.

Das Wachsthum der Pflanze besteht nun in zwei Vorgängen,die zwar häufig zusammentreffen, manchmal aber auch isolirtvorkommen, nämlich: erstens in der Vermehrung ihrerMasse d. h. der wägbaren Substanz durch Ueberführung deraus unorganischen Stoffen bestehenden Pflanzennahrung in orga-nische Substanz, ein Vorgang, welchen manAssimilation"nennt, und zweitens in einer räumlichen Ausdehnungd. h. Volumenvergrößerung durch Bildung neuer Zellen unddaraus zusammengesetzter Organe mit Hülfe der bereits erzeugtenorganischen Substanz.

Die Assimilation ist aber kein einzelner chemischer Prozeß,sondern eine Combination verschiedener zugleich und nebeneinanderverlaufender Einzelvorgänge, von welchen uns hier zunächst jeneram meisten interesfirt, bei welchem Kohlenstoff, der Haupt-bestandtheil der meisten vegetabilischen Substanzen, insbesonderedes Holzes, aufgenommen wird.