Buch 
Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
Entstehung
Seite
7
JPEG-Download
 

I. Die Rolle des Waldes in: Kreisläufe des Kohlenstoffs.

7

Merkmal der Produktion von organischer Materie. Auf Grundder chemischen Verbindungsgewichte läßt sich berechnen, wie großdiese Sauerstosfabscheidung sein muß, um eine gewisse Quantitätverbrennlicher Substanz aus Kohlensäure und Wasser zu erzeugen,z. B. zur Produktion von 1 Kilogramm Holz (wasserfrei gedacht),in welchem 50 o/g Kohlenstoff, 6 "/ § Wasserstoff und 44 °/ySauerstoff enthalten sind, muß der Baum 1833 Gramm Kohlen-säure zerlegen, wodurch 500 Gramm Kohlenstoff und 1333 Gr.Sauerstoff erhalten werden. Diese ganze Quantität Sauerstoffist aber überflüssig, weil durch den Bezug von 60 GrammWasserstoff in Form von Wasser fast genau die im Holze ent-haltene Sauerstoffmenge vollständig im Wasser geliefert wird;dem Volumen nach gemessen, beträgt die ausgeschiedene Sauer-stoffmenge 930 Cub.-Decimeter (bei 0" C. und Normaldruck),oder fast ein Cubikmeter für jedes erzeugte Kilogramm Holz.Tragen wir die Ergebnisse dieser Rechnung aus das Große über,so finden wir, daß bei der Erzeugung von 1 Kubikmeter Buchen-holz, feste Masse, im Gewichte von 700 Kilo lufttrocken oder(bei Abrechnung von 12 °/g Wasser) von 616 Kilo wasser-freier Substanz 572,g Cubikmeter Sauerstoffgas abgeschiedenwerden müssen.

Ein Buchenhochwald, der jährlich 3 Festmeter Holz proHektar produzirt, gibt während der Vegetationszeit also durchden Assimilationsvorgang 1718,7 Cubikmeter Sauerstoffgas proHectar an die Atmosphäre ab d. h. so viel als 8 erwachseneMenschen im Verlaufe des ganzen Jahres zur Athmungverbrauchen.

Aus diesem Beispiel ergiebt sich ganz klar, wie sich dasPflanzenleben und das animalische Leben gegenseitig bedingen.Bedenkt man ferner, welche enorme Quantitäten Kohlensäuredie industriellen Etablissements und die Heizungen der Millionenvon Oefen und Herden täglich dem Lustmeere zuführt, so er-kennt man sofort, daß die Atmosphäre nur auf eine bestimmteZeit ihre gegenwärtige Zusammensetzung behalten könnte undbald für die Athmung vollständig untauglich werden müßte,wenn nicht die Natur in so einfacher und zugleich so großartigerWeise die Entfernung der Kohlensäure und Ausscheidung desreinen Sauerstoffs organisirt hätte.