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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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II- Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.

allen Pflanzenzellen enthalten und zwar in Mengen, die häufigjene aller anderen Stoffe übertreffen; so bestehen namentlichjunge Zellengewebe zu 70 bis 90 und selbst ganze Pflanzenzu 40 bis 50 o/g ihres Gewichtes aus Wasser; mit dem Alternimmt der Wassergehalt zwar ab, doch findet eine wesentlicheVerminderung erst statt, wenn solche Gewebe verholzen oder inanderer Weise z. B. durch Korlbildung, od>:r als Borke vonden wichtigsten Lebensvorgängen ausgeschlossen werden. DirekteBeobachtungen, wie auch die tägliche Erfahrung haben aber ge-zeigt, daß die bedeutenden Wassermengen, welche im Zellsaft undin den aufgequollenen Membranen der Pflanzen enthalten sind,sich in steter Bewegung befinden, indem in der lebensthtätigenPflanze ein beständiger Strom von Wasser aus den Wurzel-enden beginnend durch den Stengel oder Stamm in die Blatt-organe aufsteigt, um dort unter dem Einfluß von Wärme, Lichtund bewegter Lust zu verdunsten. Letzeren Vorgang nennt mandie Transspiration der Blätter (und Nadeln) und be-trachtet als deren Hauptaufgabe die Entfernung des im Ueber-schuße aufgenommenen Wassers, in welchem die Salze der Aschen-bestandtheile und der Stickstoff liefernden Stoffe (Salpetersäureund Ammoniak) gelöst waren. Da nämlich sowohl die minera-lischen Bvdenbestandtheile, welche wir beim Verbrennen derPflanze als Asche wiederfinden, wie auch die salpetersauren unddie Ammoniaksalze nur in Form wässeriger Lösungen durch diefeinen Enden der Faserwurzeln aufgenommen werden könnenund manche dieser Salze nur in viel Wasser löslich sind,so muß die Pflanze viel mehr Wasser zu sich nehmen, als siezu ihrer Ernährung außerdem nöthig hätte. Ferner dient aberauch dieser ununterbrochen von Zelle zu Zelle fortgeleiteteWasserstrom zur Unterhaltung der Diffusionsvorgänge, auf wel-chen sowohl die Wanderungen der Stoffe, als auch viele chemischeVorgänge in der Pflanze beruhen. Die auf diese Art von derPflanze aufgenommenen und wieder verdunsteten Wassermengenerreichen ganz beträchtliche Größen und übersteigen während derganzen Vegetationszeit das Gewicht der betreffenden Pflanze umein Vielfaches, weil die verdunstende Blattoberfläche eine sehrgroße ist. Zum Ersatz der großen, auf diese Art verwendetenWassermengen sind die Landpflanzen, insbesondere auch die Wald-