II. Dic Rolle des Waldes im Kreisläufe des Wassers.
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bäume fast ausschließlich auf die in Form Von Regen, Schnee,Thau, Reif, Hagel zu Boden gelangenden „atmosphärischenNiederschlage" angewiesen und empfangen ihr Wasser aus derdaraus entstehenden „Bodenfeuchtigkeit". Diese letztere ist dahervon größter Bedeutung für das Pflanzenleben, weil der Ersatzfür die Transspiration der Blätter ununterbrochen geliefertwerden muß, wenn nicht die Pflanze welken und zu Grundegehen soll. Allerdings verhalten sich nicht alle Pflanzenartengleich bezüglich ihrer Ansprüche an Bodenfeuchtigkeit und nament-lich die Bäume besitzen in dem Holzkörper ihrer Stämme ge-wissermaßen eine Reserve für Wasser, welche älteren Bäumenüber momentane Störungen im Gleichgewicht zwischen Transspi-ration und Wasseraufnahme hinweg hilft. Die Größe derTransspiration und damit der Wasserbedarf wechselt bekanntlichsehr nach den Holzarten, da die verdunstende Blattoberfläche beidichtbelaubten Holzarten viel größer ist, als bei lichterem Baum-schlag und man theilt deshalb die Waldbäume nach ihren An-sprüchen an die Bodenfeuchtigkeit ein in solche, die nassen Bodenverlangen, wie die meisten Weidenarten und die Schwarz- undWeißerlen; dann folgen die einen frischen Boden verlangendenHainbuche, Rothbuche, Tanne, Fichte, Ahorn, Ulme, Linde, Esche,während sich die Eiche, Birke, Pappel und Lärche mit einemmäßig frischen Boden begnügen; den trockensten Standort ver-trägt bekanntlich noch die gemeine Kiefer und Schwarzkiefer.
Ueber die absolute Größe der Transspiration beiverschiedenen Holzarten sind z. Z wenige vergleichbare Beobach-tungen gemacht, die hauptsächlichsten Angaben in dieser Hinsichtsind nach verschiedenen Methoden ermittelt und differiren dahersehr von einander:
1 Hectar 20jähriger Laub- und Nadelholzwald ver-dunstet in 5 Monaten nach Th. Hartig . . . 881 Kubikmeter1 Hectar 6sLhrige Fichtenpflanzen verdunstet in 5 Mo-naten nach M. Davy. 340 „
1 Hectar 4jährige Buchenpflanzen verdunstet in S Mo-naten nach Vogel.79 „
1 Hectar 4jährige Fichtenpflanzen verdunstet in 5 Mo-naten nach Vogel.62 „
Dagegen verdunstet eine einzelne starke Eiche in 5 Mo-naten nach Vaillant. 300 „
und eine einzelne starke Eiche in 5 Monaten nach Pfaff 120 „
Weber, Der Wald. 2